Hallo Purkersdorf

Der Talk über Menschen und Themen

Mag. Maria-Anna Pleischl

Vzbgm. von Purkersdorf a.D., Psychotherapeutin

22.02.2023 37 min

Zusammenfassung & Show Notes

HALLO PURKERSDORF
Der Talk über Menschen und Themen in und um Purkersdorf



Mag. Maria-Anna Pleischl erzählt in dem Interview von ihrem Leben, ihrem beruflichen und familiären Werdegang, ihrer Zeit als Vizebürgermeisterin von Purkerdorf und über die gesellschaftlichen Veränderungen durch Corona. Eine Frau mit viel Energie, Ehrgeiz und viel Liebe für ihre Familie.


Blog Beiträge zu allen Episoden kannst du unter  hallo-purkersdorf.blog nachlesen.

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Transkript

Music. Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer von Hallo Burgersdorf, der Talk über Menschen und Themen in und um Burgersdorf. Und heute darf ich euch eine Psychotherapeutin und unsere ehemalige Vizeprimeisterin vorstellen, Frau Mag. Maria Anna Bleischel. Servus. Hallo, grüß dich. Ganz herzlichen Dank, dass ich bei dir zu Gast sein darf. Ich würde mich heute mit dir gerne unterhalten, natürlich über dich als Person, aber ich würde auch gerne sprechen über die Auswirkungen von Corona in der Gesellschaft. Da kannst du uns sicherlich auch einiges mitgeben, wie sich das in der letzten Zeit jetzt alles so verändert hat. Gerne. Ja, aber vorab möchte ich mal gerne auf dich eingehen als Person. Kannst du uns einen kurzen Streifzug durch dein Leben bringen? Ja, also ich bin das Zweite von neun Kindern, bin im Mostviertel geboren, also sehr in einer ländlichen Gegend. Ich bin in der Nähe von St. Pantalion aufgewachsen, habe dort auch das erste Mal geheiratet, habe drei Kinder gekriegt. Nebenbei meine Diplom-Krankenschwester-Ausbildung abgeschlossen und bin als fertige Diplom-Krankenschwester Ich bin jetzt seit 1982 in Burghastorf. Wie bist du damals nach Burghastorf gekommen? Was war sozusagen der Anreiz oder war das schon dein jetziger Mann? Naja, die Trennung war für meine Eltern sehr, sehr schwierig. Ich habe meinen jetzigen Mann nicht gekannt, wie ich nach Burghastorf gekommen bin. Ich habe kommen, habe in die Zeit, in die Zeit, in die Zeit, in die Zeit, in die Zeit, Ich komme aus einem sehr katholischen Bauernhaus mit neun Kindern und so katholisch, dass drei Brüder meines Vaters Priester geworden sind, die uns die ganze Kindheit auch begleitet haben. Und dort war eine Trennung und eine Scheidung undenkbar. Und es war klar, wenn ich meinen Mann verlasse, dann kann ich in diesem Ort auch nicht mehr bleiben. Und das hat mich bewogen, über den Tellerrand hinauszuschauen und habe eine Frau kennengelernt, hier im Burgkastorf in einem Neue. Zu gründenden Wohnprojekt einen Platz hatte und die mich sehr unterstützt hat, dass ich hierherkomme. Also ich bin eigentlich für die Frau Doris Haufler hierhergekommen, sie war meine Freundin, und der fixe Platz in dieser Wohnhausanlage in der Wintergasse war für mich dann quasi die Zufluchtstätte, nach der Flucht vor der katholischen Vergangenheit. Und wie es das Schicksal wollte, habe ich am ersten Wochenende hier in Burghausdorf auch meinen Mann kennengelernt. Ich war zu dieser Zeit schon als Ausbildungskandidatin in einer psychotherapeutischen Ausbildungsgruppe. Und diese Gruppe war zu klein, zu wenige Ausbildungskandidaten, das war noch lange vor dem Psychotherapiegesetz. Und diese Gruppe hat sich entschlossen, auch Menschen, die einfach nur an Selbsterfahrung interessiert sind, zum Auffüllen der Gruppe aufzunehmen. Und da war einer mein Mann. Das ist jetzt wie viele Jahre her? Das ist jetzt 41 Jahre her. Das ist schon eine tolle Zeit, ne? Ja. Und es hat wirklich gut gepasst. Sowohl für ihn als auch für mich, sonst wären wir nicht so lange zusammen. Und dass das das erste Wochenende in Burgersdorf war, im März 82, das war schon sehr schicksalshaft für mich, weil ich habe mich nicht nur in meinen Mann verliebt, sondern auch in Burgersdorf. Ich schätze und liebe unsere Stadt und bin sehr, sehr gerne hier. Ich habe einfach eine ganz neue Welt kennengelernt hier, die Offenheit, wie miteinander umgegangen wurde, auch in dieser Wohngruppe. Das war für mich eine ganz tolle Erfahrung und das hat auch meinen Kindern sehr gut getan. Ja, und wir haben eineinhalb Jahre später schon geheiratet und zwei Jahre später ist unsere vierte, die Martina, auf die Welt gekommen. Ja, mittlerweile ist auch sie bald 39 Jahre alt. Und jetzt sind wir eine Großfamilie, wir haben neun Enkelkinder und eine sehr turbulente, lebendige, große Familie. Ja, ich weiß ja von dir und was auch dein Mann ja auch erzählt. Ja, du bist immer schon ein Punkt A sehr strebsamer Mensch gewesen und du hast wahnsinnig viel Energie, weil du bringst einige Sachen parallel immer auf die Reihe. Man weiß auch von dir mit deinen Enkeln, du unternimmst wahnsinnig viel mit deinen Enkeln. Aber noch einmal ganz kurz in die Geschichte zu Burgersdorf. Du hast damals auch dein Studium fertig gemacht, hast eigene Praxis auch eröffnet oder hast jetzt deine eigene Praxis? Das Studium war immer mein Wunsch, das war aber mit drei Kindern nicht möglich. Und erst mein zweiter Mann Werner hat mir dieses Studium ermöglicht. Er war bereit, die Kinder am Wochenende zu nehmen, wenn ich Blogseminare hatte. Er war bereit, mich auch zu unterstützen, dass die Kinder mich beim Lernen, also er hat mir den Rücken freigehalten. Und er hat mich sehr ermuntert, das Studium zu machen. Ich komme aus einer Familie, wo das Studium immer ein Thema war, wo meine Geschwister Nummer 1, 3, 5, 7 und 9 quasi für das Studium vorgesehen waren. Ich war die Nummer 2 und damit für das Arbeiten vorgesehen. Und das war nicht nur zu meiner Freude. Ich habe mich da sehr, sehr benachteiligt gefühlt. Und diese Benachteiligung aufzuheben, war dann eine unglaubliche Chance, wie mein Mann gesagt hat, Mach es, jetzt kannst du das machen. Und das war schon eine tolle Zeit. Die Kinder waren noch sehr klein und ich habe das Studium gemacht und ich habe die Ausbildung, als Psychotherapeutin nebenbei fertig gemacht. Das waren unglaublich intensive Zeiten. Das Studium, würde ich sagen, habe ich im Zug zwischen Unterburgerstorf und Wespenhof gemacht, weil ich dort in Ruhe lernen konnte und lesen konnte. Ein Lesestudium sozusagen absolviert, nämlich Politik, Wissenschaft und Philosophie, wo man ganz viel lesen muss. Und das war einfach toll, diese damals noch 25 Minuten bis zum Westbahnhof, das war meine intensivste Lernzeit und dann am Abend, wenn die Kinder geschlafen haben. Ja. Und so habe ich auch in der Mindeststudienzeit mein Studium der Politik, Wissenschaft und Philosophie abgeschlossen. Ja, aber du bist dann auch in die Gemeindepolitik gegangen in Bürgersdorf. Ja, Politikwissenschaft hat mich immer sehr, sehr interessiert. Das, was uns umgibt, das, was uns bestimmt, das war für mich immer eine Herausforderung, sich damit auseinanderzusetzen. Die innenpolitischen Seiten und außenpolitischen Seiten einer Zeitung, das waren meine Seiten. Und das war dann, wie Chaos schlügel gekommen ist und gesagt hat, würdest du bereit sein, auf meine Listik zu gehen, eine unglaubliche Chance auch meine politischen Ansichten und Intentionen umzusetzen. Und da bin ich dem Chaos sehr dankbar, dass ich diese Chance von ihm erhalten habe, das zu machen. Und ja, waren tolle Zeiten in diesen fünf Jahren. Es ist dann weitergegangen. Ich wurde am Ende dieser Periode... Von meiner Berufsvertretung gefragt, ob ich bereit wäre, in die Berufspolitik zu gehen. Das waren innerhalb von drei Wochen war die Wahl in meinem Berufsverband und hier im Burkersdorf. Und ich habe mich dann entschieden, in die Berufspolitik zu gehen und habe dann, war Generalsekretärin des größten Ausbildungsvereines und bin auch Präsidentin des österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie dann gewesen. Ich habe dann dort sehr viel auch bewegen können. Also auf meine Intention geht es zurück, dass ich unsere Berufsgruppe für ein Psychotherapiestudium, nicht nur diese außeruniversitäre Ausbildung vorbereitet habe. Und jetzt ist dieses Studium auch tatsächlich in St. Pölten an der Bertha von Sutner Privatuniversität. Was würdest du sagen, von diesen fünf Jahren, um noch einmal kurz auf Burgasdorf zurückzukommen, von den fünf Jahren deiner Tätigkeit dann als Vizeprürgermeisterin, an was erinnerst du dich da am liebsten zurück? Was sagst du war sozusagen ein Punkt, der mir gelungen ist oder wo mein Herz drinnen gehangen hat? Ich war nicht nur Vizeprürgermeisterin, sondern als Vizeprürgermeisterin ist es üblich im Burgesdorf auch das Kulturressort zu übernehmen. Und das hat mir ganz, ganz große Freude gemacht, weil da wirklich viele Möglichkeiten für mich, das habe ich gleich gesehen, da waren. Es war zu einer Zeit, wo das Archiv der Gemeinde noch sehr im Keller des Rathauses geschlummert, hat, die Bibliothek noch auf einen Stand war, ohne elektronische Medien und ohne überhaupt eine Datei-Erfassung der Bücher, dass das eine Chance ist, dass man da wirklich viel umsetzen kann. Erst im Laufe der Zeit bin ich draufgekommen, dass Burghurstdorf noch nie im Programm der, Dorf- und Stadterneuerung des Landes Niederösterreich war. Da ist mir der Gemeinderat Gott sei Dank gefolgt und wir haben wirklich tolle Projekte im Rahmen dieser Dorf- und Stadterneuerung, betreut von den Regionalmanagern, umgesetzt. Dazu gehört die ganze Neugestaltung des Schlossparkes, da gehört die Bepflanzung am Hauptplatz, dass wir eine ganzjährige Begrünung haben. Das ist alles dann im Rahmen der Dorf- und Stadterneuerung passiert, die Beschilderung aller Häuser. Also da ist wirklich ganz, ganz viel passiert und das hat wirklich Spaß gemacht, dass dann viele Vereine mitgetan haben, Menschen, die immer bereit waren, für diese Projekte mitzuarbeiten. Nicht alles ist umgesetzt worden. Es ist auch damals von der Verkehrsstaaträtin Schmidl im Rahmen der Dorf- und Stadterneuerung geplant gewesen, die Begegnungszone, Kaiser Josefstraße. Also da war schon vieles auch in Diskussion, hat Menschen zusammengebracht, hat Bewegung hineingebracht. Ja, und das war eigentlich das Schöne dran. Was würdest du sagen zur Gemeindepolitik? Ist sie anstrengend? Die Gemeindepolitik hat doch den großen Unterschied, dass man stetigen direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern hat. Ja, ich glaube, dass auch Menschen in die Politik gehören, die diesen Kontakt schätzen und die sich auch zutrauen, mit allen zu reden. Im Nachhinein, nachdem ich aus der Politik ausgeschieden bin, wurde mir von einigen erklärt, das war schon sehr anstrengend mit dir. Du bist einfach mit so vielen Ideen gekommen und du hast immer geschaut, wie kann man das umsetzen. Also konkret kann ich mich auf den Friedhof erinnern, dass wir... Den Holocauststein gemacht haben, dass wir die Urnenbestattung erweitern mussten. Und das ist aber den meinen Kollegen und Kolleginnen oft zu viel, auch zu umfassend gewesen. Und ich habe mir immer gedacht, mein Gott, da braucht man ja nur einen Plan, eine Finanzierung, und dann setzt man es um. Na ja, das ist, wenn ich dich da unterbrechen darf, das ist ja auch etwas, was dein Mann immer sagt, dass du so die treibende Kraft bist, dass du kaum in Umsetzung kommst und schon mit dem nächsten Punkt sagst, das muss auch noch gehen. Also wahrscheinlich warst du dort in dieser Funktion gleich, ne? Ja, das hat mir auch der Herr Bürgermeister bestätigt. Aber er hat natürlich. Auch Freude gehabt, dass das umgesetzt wurde. Ein wichtiger Punkt, der bis heute auch lebendig ist, das sind die Klassikkonzerte und vor allem das Neujahrskonzert am zweiten Wochenende. Eben bei dem Bundesforsten genau das ist quasi auf meine Idee gewachsen, wobei ich auch dort im Gemeinderat nicht nur Befürworter hatte, sondern das sollte nicht die Gemeinde machen, das sollen wir gerade machen, das ist Gemeindegeld, was hier beim Fenster hinausgeworfen wird. Wenn man sich anschaut, wie viele Leute dorthin kommen, dann weiß man auch, dass sich das selbst finanziert und das war auch so geplant. Die Postkutsche ist in ähnlicher, mit viel Diskussion habe ich das geschafft fertig zu machen, die ist ja schon viele Jahre bei einer Werkstätte zerlegt gelegen und, keiner hat einen Finanzierungsplan gehabt, wie die Postkutsche hingekommen ist. Da hat mich Bürgermeister. Schlögl sehr unterstützt, dass wir einen gemeinsamen Finanzierungsplan aufstellen konnten und in der Kutsche ist kein Gemeindegeld drinnen, sondern das wurde alles mit Sponsoren geleistet. Und das hat mich auch sehr gefreut, wie die Kutsche dann wieder nach Bürgersdorf zurückgekommen ist. Gehen wir zurück hin zum Kulturellen, dass dir ein ganz großes Anliegen ist. Du organisierst, jetzt ja noch immer Musik am Vormittag. Genau. Ja, das macht auch großen Spaß, Obwohl es die letzten Jahre natürlich durch die Pandemie sehr mühsam war mit Anmeldung, Abständen und Mordschutz. Alles was die Veranstalter so hatten. Darum gefällt es mich jetzt ganz besonders, dass mit Beginn dieses Jahres, am 29. Jänner, wirklich viele gekommen sind und auch wieder mehr Abonnenten für dieses Jahr sich getraut haben, für das ganze Jahr schon im Voraus sozusagen zu kommen. Also der Fortbestand dieser Reihe ist auf alle Fälle gesichert. Wie gesagt, du sprühst vor Energie. Hier meine Frage, wie magst du deinen persönlichen Ausgleich? Wo findest du deine Kraftquellen? Also eine ganz große Kraftwelle ist meine Beziehung. Wir machen sehr viel gemeinsam. Aber insgesamt, auch die Familie gibt mir sehr viel Kraft, auch wenn das manchmal viel Kraft kostet. Wenn am Wochenende, wir sind immer gerüstet, dass eine große Partie auftaucht und ich habe einfach Spaß, wenn die Enkelkinder hier sind und wenn sich was tut. Aber das bin ich halt gewohnt, ich bin die zweite von neun Kindern und ich habe es nie in meinem Leben ruhig gehabt. Da muss man den Hörerinnen und Hörern kurze Erklärung geben. Also wenn die Familie Bleischler sagt, sie ist gerüstet für ihre Enkel, dann handelt es sich im Maximum um vier Kinder und um sieben Enkel, die dann... Neun. Neun, Entschuldige, die wirklich alle am Wochenende dann beisammen sind. Das ist schon eine Anzahl von Menschen, ja? Da geht es schon rund, ja? Ja. Also zurzeit, wenn wir alle zusammenkommen, sind wir 20, weil wir ja auch eine amerikanische aus der Schülergang noch bei uns sind. Ja, aber wie ich weiß macht dir das sehr viel Freude eben, wie du auch gesagt hast, in dieser Großfamilie zu leben. Genau, ja. Weil wir zuerst auch darauf eingegangen sind, bei den Veranstaltungen, wie du gesagt hast, dass es natürlich mühsam war in den letzten zwei Jahren, diese Veranstaltung durchzuführen, da kommen wir auch gleich zu dem Thema hin zu Corona. In deiner beruflichen Tätigkeit als Psychotherapeutin hast du natürlich sehr viele Patienten oder, Klienten und diese werden, so nehme ich jetzt mal an, in der letzten Zeit natürlich auch verstärkt mit dem Thema Corona oder beziehungsweise deren Nachwirkungen gekommen sind. Merkst du starke Veränderungen in der Gesellschaft oder flacht es wieder ab in einem Bereich wie früher? Also als Psychotherapeutin kann ich eindeutig sagen, dass den Erwachsenen und ich bin Therapeutin für ab dem 18. Lebensjahr den Erwachsenen Corona als Virus, als Erkrankung nicht viel Angst gemacht hat, dass ich jetzt wieder höre, kennt man nicht, bald wieder einen Lockdown, haben. Das war die schönste Zeit, einfach drei Wochen. Niemand kommt, ich muss nirgends hin, das war die Auszeit meines Lebens. Was viele Probleme gemacht hat, war, dass ich sowohl. Impfgegner als auch ideologische Impfbefürworter in der Therapie hatte. Und dass es natürlich da in den Familien ziemlich heiß hergegangen ist. Und dass sie sowohl die einen als auch die anderen von mir auch immer wieder wissen wollten, was ist jetzt vernünftig. Und das musste schließlich jeder selbst entscheiden. Das kann man auch in der Therapie nicht einmal, ich hätte nie meine Meinung dort gesagt, Aber dass da viele mit Konflikten in ihren Familien konfrontiert waren, und das hält bis jetzt an, dass es einfach Brüche in den Familien gibt. Eine hat mal gesagt, ich kann mit meiner Mutter bis heute nicht reden, weil sie ist so eine Impfgegnerin und glaubt, wenn ich geimpfte Tochter in ihr Haus komme, dann könnte sie einen Schaden erleiden. Das grenzt natürlich manchmal auch an wahnhafte Vorstellungen. Und das macht ein Familien bis heute zu schaffen. Insgesamt muss ich aber sagen, die Angst und die Depression ist nicht mit der Pandemie gekommen. Bei den erwachsenen Patienten ist es eindeutig mit dem 24. Februar letzten Jahres gekommen. Mit dem Kriegsbeginn. Mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine ist plötzlich die Angst hochgeschnellt. Wir können uns kaum jetzt mit den vielen Patientenanfragen so auseinandersetzen, dass jeder einen Platz kriegt. Ich habe immer wieder Menschen, die sagen, ich habe schon so viele angerufen, es gibt, nirgends deinen Platz, obwohl die Krankenkassen mit Februar vorigen Jahres ihr Kontingent. Wirklich erhöht haben. Also die vorigen Engpässe, die sind Geschichte. Und obwohl diese Kontingente jetzt alle aufgefüllt werden könnten, sind sie noch immer zu wenig. Das heißt, wir haben eindeutig zu wenig Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, für den jetzigen Ansturm. Es liegt jetzt an den Psychotherapeuten, vorher waren es die Kontingente nicht, die zu klein waren. Bei den Jugendlichen ist es schwierig. Ich habe Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus der Jugendpsychotherapie und Kinderpsychotherapie. Und die beklagen, dass den Jugendlichen sehr stark eingeredet wurde, ihr seid eine verlorene Generation, ihr habt es zwei, drei Jahre verloren und das werdet ihr nie wieder aufholen. Und Lehrer sagen mir, na, das ist kein Problem, das halten wir auf. Es war unlustig als Junge, der Party machen möchte, zu Hause zu sitzen. Das war das Problem. Aber nicht, dass sie jetzt an Lerninhalten wirklich zu wenig bekommen hätten. Aber die Kinder leiden unter diesen negativen Zuschreibungen. Das ist für die Jugendlichen ein Riesenproblem, dass sie als verlorene Generation gelten. Sie sind nicht verloren. Sie haben eine Pandemie in sehr jungen Jahren erlebt und das wird eine Lebenserfahrung für Sie bleiben. Bei den Erwachsenen ist es jetzt ganz etwas anderes. Diese Angst vor dem Krieg, so nahe in Europa, das macht schon eine Grundangst. Durch die Energiekrise ist dann auch die Klimakrise plötzlich ins Bewusstsein gerückt. Und drei Krisen auf einmal, das ist für Menschen, die schon an einer Angststörung oder an einer Depression leiden, wirklich zu viel. Dort haben wir jetzt wirklich große Probleme. Und was vielen jetzt genauso wie bei der Impfgeschichte ein Problem macht, auf was für Information kann man noch setzen? Was ist Fake News und was ist wirkliche Information, die mir weiterhilft? Also das ist wirklich jetzt eine Herausforderung, in diesem Dickicht sich zurechtzufinden. Und auch da gibt es wieder Entzweiungen in den Familien, weil es einfach in vielen Familien tatsächlich Menschen gibt, was ja, wer die Nachrichten hört, fast unglaublich scheint, aber dass es immer wieder Menschen gibt, die doch Russland-Versteher sind und den Amerikanern und der NATO die Schuld für den Krieg geben. Und das macht natürlich informierten Familienangehörigen, die die Informationen haben, große Probleme, dass es der Vater, die Mutter, die Schwester in der Familie gibt, die komplett anders denken. Das ist eigentlich die gleiche Situation wie damals bei Corona, also genau dieses Zwei-Lager-Denken. Genau. Es ist jetzt nicht zu werten, wer in welchem Lager ist, aber es ist de facto genau das Zwei-Lager-Denken in der Familie. Das ist wieder ideologisch ganz festgefahren. Umso wichtiger, weil du sagst, Familie, umso wichtiger sind natürlich auch die Familien oder funktionierende Familien, wo man sich eben Stärke, Halt und Geborgenheit holen kann. Du hast schon gesagt, für dich ist die Familie natürlich genau dieser Quell der Kraft und des Ausgleichs. Ich weiß von euch auch, wenn ihr Urlaub macht, ihr fahrt unheimlich gerne Rad. Ja, das ist ein gemeinsames Hobby. Also der August ist unser Fahrradmonat und da sind wir immer ganz stolz, wenn wir so an die 1000 Kilometer mit dem Fahrrad fahren und das ist unser großer Urlaub. Wir setzen aus mit dem Fahrrad, wenn wir bei unserer Ziehdochter in Alaska sind. Dort geht es mit dem Rad nicht. Das wäre für die Bären und die Wölfe, die dort herum geistern, keine gute Idee. Aber wenn wir in Europa Urlaub machen, dann ist das im August unser Fahrradurlaub. Und was wir ganz besonders schätzen sind Fahrradwege entlang von Flüssen, also dass wir mit dem Zug... Einen Fluss hinauffahren und dann mit dem Fahrrad hinunter. Heuer steht auf unserem Plan die Mars in Frankreich bis an die belgische Grenze. Auch von deinen Fahrradtouren habe ich gehört, bist du dann beim Fahrradfahren auch du wieder die Zugmaschine. Na ja, so einfach ist es jetzt nicht. Früher sind wir beide natürlich ohne E-Bike gefahren. Und jetzt ist es so, dass mein lieber Mann auf das E-Bike umgestiegen ist. Und jetzt ist er der Schnellere und jetzt bin ich die, das Schlusslicht. Was hast denn du noch für Vorleben oder Hobbys? Ja, also was ich unglaublich gerne mache, ist mit den Kindern Musikbücher, Bilderbücher. Unsere Enkelkinder, die sind alle schon mit drei Jahren mit dem Zauberlehrling zum Beispiel konfrontiert gewesen. Und jetzt hat unser 14-jähriger gesagt, er hat eine Ballade, das sollte er lernen. Und er hat gesagt, ich war der Einzige, der den Zauberlehrling gekonnt hat. Sonst war das für alle etwas Fremdes. Und wenn ich mir unseren Sechsjährigen anschaue, der auch den Zauberlehrling schon kann, dann weiß ich, das ist schon gut. Sie schätzen das auch sehr. Also dieses Buchlesen, und das ist auch traditionell nach dem Essen bis heute, weil wir noch immer kleine haben, die nicht lesen können, sitze ich dort und lese mit den Kindern. Lesen ist auch selber mein Hobby. Ich lese unglaublich gerne, immer begleite Literatur zu unseren Reisen. Also nicht nur den Reiseführer, sondern wirklich Literatur aus der Gegend, über die Gegend, manchmal auch einen Grimme aus der Gegend. Das ist ein ganz großes Hobby und was ich sehr schätze ist, ich handarbeite sehr viel. Was manchmal sehr herausfordernd ist, wenn ich mir für die, zum Beispiel für Nikolaus kriege, die Kinder immer ein Kleidungsstück und wenn ich dann neun gleiche Stücke stricken, oder häkeln möchte, dann beginne ich meistens im Sommer für Nikolaus zu arbeiten, sonst geht es nicht raus. Und das mache ich bei meinen Lieblingssendungen am Abend, wenn ich in Arte oder auf ORF 3, meine Kultursendungen anschauen. Um ganz kurz noch mal aufs Lesen zurückzukommen, wir haben in Burghastorf eine wunderbare Stadtbibliothek, die sehr gut bestückt ist mit Kinderbüchern. Genau, ja. Kann man nur jedem empfehlen, vorbeizusehen. Und die Frau Astrid Schwarz ist eine wunderbare Leiterin und die hat super Ideen, man kann mit jeder Frage zu ihr gehen. Und ich gehe auch mit meinen Enkeln dort immer wieder hin. Wie ist denn deine Bindung zur Burgersdorf? Klarerweise, du warst in der Gemeindepolitik, du lebst schon 40 Jahre hier, aber wie würdest du deine gefühlsmäßige Bindung zu Burgersdorf beschreiben? Also ich habe eine sehr starke Bindung zu Burgersdorf. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben. Ich habe einen guten Vergleich. In meiner ersten Ehe war meine Idee permanent, ich möchte umbauen, bis ich drauf gekommen bin. Es ist nicht der Ort, an dem ich leben möchte. Es war auch nicht der Mann, mit dem ich leben wollte, aber es war auch der Ort und das Haus, das ich geerbt hatte und nicht meins und nicht nach meinem Geschmack gerichtet war. Und in Burgersdorf merke ich Das Haus ist wichtig, aber der Ort ist noch wichtiger. Ich möchte nicht in einer größeren Stadt sein, aber ich möchte auch nicht mehr am Land sein. Das sage ich auch ganz offen dazu. Ich schätze am Burkerstorf, dass wir eine sehr lebendige Vereinskultur zum Beispiel haben, dass wir ganz, ganz viele Interessen in Vereinen vertreten haben, dass hier wirklich jeder, der im Burgersdorf lebt, zu seinem Hobby auch Menschen finden kann, die das Hobby mit ihm teilen würden. Und das schätze ich sehr. Und was ich ganz besonders schätze, und das gehört auch eines zu meinen Hobbys, dass im Burgersdorf, glaube ich, kein Haus ist, das drei bis vier Minuten vom Wald, wo da weiter weg ist, wie drei, vier Minuten, und ich gehe sehr gerne in den Wald. Das ist auch für die Enkelkinder, wenn sie kommen, auch ein Fixpunkt. Wir gehen immer auf den Buchberg und dort haben wir eine Wiese einmal gehabt. Jetzt stehen dort riesige Lärchen, aber für die Kinder ist das noch immer die Lärchenwiese. Das ist eine Tour von zwei, zweieinhalb Stunden, aber das schätzen wir alle gemeinsam, da hinaufzugehen. Ich glaube auch, diese ganze Region hier, Burkustorf, Gablitz, Mauerbach, Presbom, wir haben schon wahnsinniges Glück, in welcher Gegend wir leben dürfen. Das ist unheimlich schön hier. Ja, auch was die Luftqualität angeht, bin ich immer wieder begeistert, wenn man sich die Werte hier ansieht. Die Luft von Burkustorf ist ja legendär. Tucholsky hat gesagt, liebe Grüße aus Hollywood. Und dann wurde er gefragt, na wie ist denn Hollywood? Und er hat gesagt, wie Burkersdorf, nur mit Palmen. Na bitte, wunderbar. Wie sieht es denn aus? Habt ihr ja Zukunftspläne? Du und dein Mann, irgendwas, welche Aktionen? Na ja, ich bin jetzt seit April folgend Jahres im Pfarrgemeinderat. Und da habe ich schon wieder gute Ideen oder vielleicht auch nicht so gute, weil es wieder den anderen doch ein bisschen zu anstrengend wird. Aber wir sind jetzt dabei, das Holocaust gedenken an die ermordeten Burkustorf-Rinnen und Burkustorfer. Mittlerweile wissen wir von 17, die in einem KZ umgebracht wurden, dass das Gymnasium Burkustorf unterstützt uns da in der Pfarre und die machen für alle diese Opfer Gedenksteine und das wird beim Holocauststein demnächst. Auch niedergelegt werden. Also das ist die eine Aktion, die wir jetzt machen. Und die zweite große Sache ist, dass wir eine Initiative gestartet haben, um vielleicht einen öffentlichen Kreuzweg im Burgersdorf zu machen. So einen Gedenkweg, einen meditativen Gedenkweg, den die Pfare starten wird. Also dort kriege ich große Unterstützung für diese Idee. Und ich hoffe, dass die Idee auch angenommen wird, dass unser Burkerstorfer Künstler Tragutin Zanteck dazu künstlerische Werke beitragen kann. Also wie wir sehen, dein Weg führt natürlich immer wieder auch in die Arbeit für die Gesellschaft, für die Allgemeinheit von vielen Richtungen, früher im Gemeinderat, jetzt im Kirchengemeinderat. Wenn du so an Burkerstorf denkst in der Zukunft, du bist ein Mensch, der gerne und viel gestaltet. Was wünscht ihr für Burgersdorf in der Zukunft? Wie soll sich Burgersdorf entwickeln? Naja, ich glaube, dass wie in den letzten Jahren ganz, ganz viel wurde für Burgersdorf gemacht. Es ist viel umgesetzt worden. Ich weiß jetzt gar nicht, was uns fehlen würde. Ich denke, dass die Altenbetreuung, auch da die Organisationen gut funktionieren. Wer das zu Hause machen möchte, kann das zu Hause tun. Wir haben die Organisationen dafür. Wer in ein Pflegeheim will, da haben wir die Senecura. Das ist vielleicht, dass es eine Tagesstätte für Tagesbetreuung von Älteren gibt. Das wäre vielleicht ein ganz gutes Projekt. Auch ein Mehrgenerationenhaus, das könnte ich mir auch gut vorstellen. Dieses Zusammenleben von Alten und Jungen und auch Kindern. Dass das wieder mehr forciert wird. Vielleicht gibt es noch die Möglichkeit einer Tennishalle, das war immer wieder Thema. Ich weiß jetzt nicht, wie groß die Nachfrage danach ist, aber so eine große Sporthalle, außerhalb des Gymnasiums wäre vielleicht von der Größe des Ortes durchaus möglich, dass das bespielt wird. Ja, ich weiß ja von dir auch, dass du interessiert bist an Bildungsangeboten, Bildungsangebote für Jugendliche, Bildungsangebote für Erwachsene. Und da kenne ich ein wenig eine Idee von dir. Würdest du die ausführen? Ja, Bildung ist was Zentrales. Wer gebildet ist, setzt sich dann auch für Frieden und für Freiheit ein. Bildung ist was Zentrales für jede Zivilisation und da wäre vielleicht so auch aus der Psychologie heraus das Wissen wie ein Lernkonzept. Dass das jeder für sich definieren kann, wie ist meine Lernmethode, wie ist mein Konzept, dass ich wirklich gut lernen kann und was brauche ich, dass ich gut lernen kann, dass man so ein Angebot, und zwar ganz auf freiwilliger Basis, anbietet, dass man wirklich, sowas wie, und das wäre vielleicht ein Gegengewicht für unsere doch sehr elektronische Zeit, dass man Jugendlichen wieder das diskutieren, das Fragen stellen, aber auch das argumentieren und sinnvoll Antworten geben und ein Stück Philosophie anbieten, was auch Erwachsenen gut tun würde und dass ich immer wieder in der Therapie auch gefragt werde. Das habe ich in der Schule nie gelernt. Wo kann ich denn das lernen? Und meine nüchtern Antwort ist immer, bitte suchen Sie sich einen Rhetorikkurs. Und das ist leider so ziemlich das Einzige, was man für diese grundsätzliche und wichtige Bildung im Leben, die Griechen haben es uns schon vorgemacht, aber bis heute vernachlässigen wir das, das ist das ziemlich das einzige Angebot. Rhetorik und vielleicht Moderation, aber richtig diskutieren, argumentieren, sich auseinanderzusetzen und nicht nur sofort in den Google zu schauen, wenn mir ein Wissen fehlt, sondern auch, dass ich weiß, was mir fehlt und dass ich das dann wirklich lernen kann. Sowas würde mir gefallen, einmal mit einem kleinen Projekt zu starten. Ja, liebe Mariana, ich sage ganz herzlichen Dank, dass ich und die Hörer von Hallo Burkersdorf bei dir zu Gast sein durften. Ich danke, es hat mir Spaß gemacht. Es war eine sehr schöne und kurzweilige Zeit mit dir. Ja, liebe Hörerinnen und Hörer von Hallo Burkersdorf, ihr könnt natürlich die Geschichte dazu wieder nachlesen auf hallo-burkersdorf.blog. Wenn es euch gefallen hat, erzählt es weiter. Wenn es euch nicht gefallen hat, behaltet es für euch. Ich sage euch natürlich ganz ganz herzlichen Dank fürs Zuhören. Ciao, bis zum nächsten Mal.

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