Purkersdorf GESTERN & HEUTE
Die Entwicklung von Purkersdorf 1850-1920
07.01.2026 39 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Auftaktfolge der mehrteiligen Podcast Serie von Hallo Purkersdorf- „Purkersdorf GESTERN und HEUTE“ nimmt euch das Team gemeinsam mit dem Historiker Dr. Christian Matzka mit auf eine Zeitreise von ca. 1850 bis 1920 – und zeigt, wie stark sich Purkersdorf in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat.
HALLO PURKERSDORF
Der Talk über Menschen und Themen in und um Purkersdorf
Der Talk über Menschen und Themen in und um Purkersdorf
In dieser Auftaktfolge der mehrteiligen HALLO PURKERSDORF-Serie „Purkersdorf gestern und heute“ nimmt euch das Team gemeinsam mit dem Historiker Dr. Christian Matzka mit auf eine Zeitreise von ca. 1850 bis 1920 – und zeigt, wie stark sich Purkersdorf in nur wenigen Jahrzehnten verändert hat.
Ausgangspunkt ist 1849, als Purkersdorf zur selbstständigen Gemeinde wird. Kurz darauf beginnt ein grundlegender Umbruch: Mit Industrialisierung und Bahnbau kommen viele Menschen in die Region – zeitweise sogar tausende Arbeiter rund um die Baustellen. Die vorher eher ländliche Struktur wandelt sich zu einem Ort mit deutlich differenzierten sozialen Schichten. Man lebt vielfach nebeneinander statt miteinander: Bürgertum und Villenbesitzer, Beamte und Angestellte, Arbeiter – und jede Gruppe hat ihre eigenen Gasthäuser, Vereine und Treffpunkte. Sogar Sportvereine spiegeln politische Lager wider (christlich-sozial, sozialdemokratisch, deutsch-national).
Ein zentraler Motor dieser Entwicklung ist die Westbahn – ein „Jahrtausendereignis“, das Purkersdorf topografisch und gesellschaftlich verändert: Die Bahn zerschnitt den Ort, der Wienfluss wurde verlegt und reguliert, gleichzeitig machte die Zugverbindung Purkersdorf zur attraktiven Sommerfrische im Wienerwald. Es entsteht ein nobler Ferienort mit Villen, Konzerten, Kirtagen, Spazierwegen und Aussichtswarten – gepflegt und mitfinanziert durch den Verschönerungsverein (Wurzeln ab 1861/1871), der im Prinzip eine frühe Form von touristischer Infrastruktur organisiert.
Neben dem Sommerboom wird auch der Wintersport überraschend wichtig: Um 1900 gilt die Gegend als Wintersportzentrum, mit Skitourenrouten, Rodelbahnen und Sprungschanzen in der Umgebung. Dazu kommt eine für die Zeit bemerkenswert moderne Infrastruktur: frühe Elektrifizierung und Straßenbeleuchtung (um 1904/05), kommunale Einrichtungen wie Gemeindepolizei, später Filmvorführungen/Kino (ab 1911), sowie der Ausbau des Bildungswesens (Schule 1875, Bürgerschule 1898). Auch Freizeit und „Sommergesellschaft“ spiegeln sich in Dingen wie Tennis (früher Club bei der Kellerwiese) und den Bädern wider – dem späteren Wienerwaldbad („Deutschwaldbad“) und einem weiteren Bad in der heutigen Bad Säckingenstraße.
Ein weiterer roter Faden ist, wie politische und wirtschaftliche Strukturen damals funktionieren: Das Kurien- und Zensuswahlrecht zeigt, dass Mitbestimmung lange vom Einkommen abhing; erst ab 1919 gibt es in Niederösterreich allgemeines Wahlrecht auf Gemeindeebene. Wirtschaftlich steht die Sparkasse der Gemeinde Purkersdorf (Gründung 1897) beispielhaft für den Aufschwung und die wachsende Bedeutung von Banken.
Die Folge streift außerdem bekannte Namen und „große Geschichte“ im Kleinen: etwa Karl Landsteiner, der zeitweise in Purkersdorf lebte, oder die Rolle des Sanatoriums Westend und des späteren Hoffmann-Baus als Treffpunkt einer künstlerisch-avantgardistischen Klientel (Jugendstil/Sezession).
Der Erste Weltkrieg markiert schließlich den harten Bruch: Die Sommerfrische wird praktisch beendet, Aussichtswarten werden gesperrt, Lazarette entstehen, Versorgungskrisen und Lebensmittelkarten prägen den Alltag, und finanzielle Lasten wie wertlos gewordene Kriegsanleihen treffen die Gemeinden. Auch die Spanische Grippe wird erwähnt – vorhanden, aber offenbar in der lokalen Erinnerung weniger dominant als man heute erwarten würde. Zum Ausklang gibt’s noch ein kulturelles Detail aus der „Spaßgesellschaft“: Musik, Komponisten auf Sommerfrische und sogar ein „Purkersdorfer Marsch“ als klingendes Zeitdokument.
Unterm Strich ist Teil 1 das Portrait eines Ortes, der zwischen 1850 und 1920 vom Waldarbeiter- und Händlerdorf zur mondänen Sommerfrische wird – und dann durch Krieg und Krisen abrupt ausgebremst wird.
Die HALLO PURKERSDORF Blog Beiträge zu allen Episoden kannst du unter hallo-purkersdorf.blog nachlesen.
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Transkript
Liebe Podcast-Community, mit der heutigen Episode erweitern wir unseren Fokus
und wollen mehr über die Geschichte von Purkersdorf erfahren bzw.
Euch berichten. Zu diesem Zweck starten wir eine mehrteilige Serie mit dem Titel
Purkersdorf gestern und heute.
Und es freut uns sehr, dass wir den Historiker und Purkersdorf-Geschichtsexperten Dr.
Christian Matzger für dieses Projekt gewinnen konnten.
Wir beginnen nun im ersten Teil so um die Jahre 1850 und reisen bis ins Jahr 1920.
Genießt diese Zeitreise, bei welcher ihr viele neue Informationen über Purkersdorf
und Umgebung erfahren werdet und gebt uns Feedback, wie es euch gefallen hat.
Ja, liebe Hörerinnen und Hörer von Hallo Purkersdorf, wie ihr schon im Vorspann
jetzt erfahren habt, beschäftigen wir uns heute und in den nächsten Folgen mit
der Geschichte von Purkersdorf.
Wir, das ist unser Geschichtsexperte Dr. Christian Matzka. Servus Christian.
Servus Michi. Die Maria Schinkl, die wir neu im Team haben und mich.
Ja, Christian, Geschichte von Purkersdorf, Purkersdorf gestern und heute.
Steigen wir gleich einmal eben, wie gesagt, so um die Jahre 1850 ein.
Wie war denn das gesellschaftlich von den verschiedenen Gesellschaftsschichten
und Formen in Purkersdorf?
Ja, 1849 wird Purkersdorf eine
selbstständige Gemeinde und die Bevölkerung verändert sich dahingehend,
dass aufgrund der Entwicklungen der Hoch- und Spätgründerzeit eine massive Zuwanderung
dann passiert, speziell nach dem Bahnbau bzw. durch den Bahnbau.
Allerdings beim Bahnbau waren 4000 Arbeiter in der Gegend hier untergebracht,
die vom Semmering verlegt wurden hierher.
Und die Bevölkerung verändert sich von einer teuerlichen Bevölkerung mit Waldarbeitern
für das Kaiserliche Waldamt früher und einigen Gewerbetreibenden und Händlern und Wirten im Zentrum.
Entsteht eine neue Gesellschaft, wo viele Menschen hier leben,
die auch dann der Arbeiterschaft angehören oder Beamte oder höhere Angestellte,
die sich hier ansiedeln, aufgrund der Entwicklung.
Und so entsteht eine differenzierte Gesellschaft, nicht so genauso wie in der
gesamten österreichischen Gesellschaft,
die sich dann ja durch die Parteien auch manifestiert, wie Sozialdemokraten,
Deutsch-National, Christlich-Sozialen, dasselbe ist halt hier auch,
dass es Menschen gibt, die der Kirche nahestehen, solche, die eher der Arbeitervertretung
nahestehen oder solche, die den Deutsch-Nationalen nahestehen und sehr stark
den Anschluss an Deutschland fordern.
Aber all diese Gesellschaftsschichten, haben die miteinander gelebt oder war
das eher so ein wenig ein Nebeneinander?
Ja, die Menschen haben sich eigentlich abgegrenzt. Also wenn jemand eine Villa
besessen hat und dem Bürgertum, dem Oberschichtenbereich zugehört hat,
hat man eigentlich mit den Leuten wenig Kontakt gehabt, außer sie waren Dienstboten.
Also das war so quasi ein Nebeneinander und weniger ein Miteinander.
Und jede Gruppe hatte eigene Gasthäuser, eigene Vereine, eigene Stellen,
wo man sich getroffen hat. Es gibt ja heute auch noch solche Entwicklungen.
Aber damals war das ganz streng voneinander abgegrenzt.
Beispiel bei den Vereinen gab es Vereine, die deutschnational gedickt haben.
Zum Beispiel gab es einen deutschnationalen Radfahrerklub oder der Arbö,
das war der sozialdemokratische Klub. Es gab ja den Klub christlicher Radfahrer.
Also je nachdem, wo man dazugehört hat, ist man dort hingegangen.
Und die haben klarerweise auch nur die Gaststätten von ihrer Gesinnung besucht
oder die Geschäfte auch von ihrer Gesinnung besucht.
Beziehungsweise ganz extrem dann bei den Schutzhütten, der Albinenvereine durfte
man dort nur hinein, wenn man Mitglied war.
Also wenn es jetzt kalt war, dann hat es geregnet, aber nicht mitglied ist,
wir sind draußen gesessen.
Was ja für mich auch spannend ist, ich bin Geburtsjahrgang 1967 und habe Purkersdorf als Kind.
Wie soll ich sagen, zumindest vom Aussehen her, war das eher eine ärmlichere
Gegend, wenn man sich so den Hauptplatz damals vorstellt.
Aber das war eigentlich um 1850 und so oder 1870 gar nicht so.
Also der Aufschwung ist, wie gesagt, nach dem Bahnbau, Und man kann so sagen,
so ab 1860, 70, 80 in diese Richtung verändert sich es massiv mit massiven Neubauten,
Villenbauten, wie zum Beispiel in der Fürstenberggasse, Bummergasse,
Müllfeldgründe werden verbaut.
Die Wintergasse entsteht, die Bahnhofstraße, überall diese Villen in der Wiener
Straße, in der Linzer Straße.
Und dort leben Menschen, die Geld haben, die auch Geld spenden,
dem Verschönerungsverein zum Beispiel spenden, der Kirche spenden.
Und dann entsteht ein Ort, wo sich die Sommerfrische abspielt,
so quasi wie wir es vom Salzkammergut kennen.
Brespan wurde ja genannt, Bad Ischl des Wienerwaldes.
Da ist noch etwas westlich, vielleicht noch etwas nobler zugegangen.
Aber hier ist quasi eine Sommergesellschaft entstanden, die sich geleistet hat,
die Straßen spritzen zu lassen, damit es nicht staubig ist.
Wo Infrastruktur entstanden ist, Parkbänke, Wanderwege, Aussichtswarten etc.
Und diese Bevölkerung hat sich hier gezeigt, auch mit Festen,
mit Sommerfesten, mit Kirtag, mit Konzerten.
Und ich glaube nicht, dass die Menschen, die in Purkersdorf in Armenversorgung
gelebt haben, dass die beim Kirtag gewesen sind, wo die Sommerfrischler waren.
Also ich glaube, maximal vielleicht zum Bier tragen, Bierkisten tragen oder Bierfasszapfen.
Aber diese Gesellschaft lebt hier in Purkersdorf.
Ein relativ wohlhabender, nobler Ort in dieser Zeit, mit Neubauten,
mit wunderbaren Sommervillen,
also von der ärmlichen Situation, wo die Gebäude verfallen sind,
wie du das oder wir das in unserer Region erlebt haben, ich habe das genauso erlebt.
Dass davon ist damals in der Form keine Rede.
Vielleicht ein paar alte, da muss ich dazu sagen, ein paar alte Gebäude gab
es immer, zum Beispiel die Dukhütten, diese Holzhackerhäuser wie in der Kaiser-Josef-Straße,
die waren natürlich in der Zeit auch ärmlich mit Lehmboden und relativ schlechte Bausubstanz.
Also da gab es auch dieses Nebeneinander, dieser Willen zum Beispiel in der
Fürstenbergkasse und dann diese Lehmhütten. Aber du hast etwas Interessantes
auch für mich erwähnt, und zwar den Stadtverschönerungsverein,
den es ja auch heute noch gibt.
Und soweit ich weiß, das ist ja auch der älteste Verein von Purkersdorf.
Ja, die Gründung geht ins Jahr 1861 zurück mit einem Verschönerungskomitee,
der Verein 1871, dann nach dem Vereinsgesetz der damaligen Zeit.
Und das war eben eine Organisation, die das organisiert hat,
also wie die Pflege des Ortes, die Aufbereitung für die Sommerfrischler,
für die Touristen. und die haben auch Geld eingesammelt bei den Sommerfrischlern.
Wie wir heute das mit der Kurtaxe kennen, wenn ich wo auf Urlaub bin,
hat man damals einfach freiwillig Geld kassiert und geschaut,
dass man Geld sammelt, damit man das alles bauen und organisieren kann.
Und diese reiche Gesellschaft des Sommers, die hat das Geld auch hergegeben.
Du hast mir im Gespräch auch schon vorher mal erzählt, um 1849 Purkersdorf eine
Selbstverwaltung bekommen.
Ja, das ist das Gemeindegesetz von 1849. Das gilt für ganz Österreich,
also damals für das gesamte Kaisertum Österreich.
Das heißt, da ist Ungarn auch dabei gedacht. Dann endet sich 1867 mit der Teilung.
Und da entstehen Gemeinden als Nachfolge der alten Dörfer und die Bezirkshauptmannschaften,
als Nachfolge quasi der Grundherrschaften.
Also das ist eben, was wir heute kennen.
Gemeinden, Bezirkshauptmannschaft, Land und der Gesamtstaat,
damals halt quasi die Reichsebene,
das ist nach 1849 entstanden und da ist Purkersdorf ein Teil des Bezirkes Hitzing,
also eigene Gemeinde und die Gemeinde quasi bekommt einen Bürgermeister,
diesen Titel gab es vorher nicht, deshalb 1849 gibt es einen Bürgermeister,
der erste Bürgermeister war auch der letzte Dorfrichter, das war der Herr Hisberger,
der von der Hisberger Kasse,
der war der letzte Dorfrichter Purkersdorfs und auch der erste Bürgermeister.
Das ist quasi eine personelle Kontinuität vom alten System quasi in das neue Moderne hinein.
Und da bekommt die Gemeinde quasi die Selbstverwaltung.
Später dann auch mit Wahlen vorher
nicht, weil es gab ja nach 1849 ein autoritäres System in Österreich.
Kaiser Franz Josef regiert ja ohne irgendwelchen Parlamenten.
Das heißt ja Neoabsolutismus.
Und erst mit den späteren Reformen gibt es dann einen Gemeinderat,
der auch von Menschen gewählt wird.
Und das ist aber dann wieder sehr komplex aufgrund unserer differenzierten Gesellschaft,
die sich dann auch in den Wahlkurien zeigt.
Wenn wir eben ganz kurz zu den Wahlen rüberschwenken, da ist es ja so,
dass es erst dann später sozusagen ein Wahlrecht gibt, aber natürlich nicht für alle, ne?
Also ein allgemeines Wahlrecht für alle auf Gemeindeebene gibt es in Niederösterreich
erst ab 1919, also mit der provisorischen Verfassung von 1918.
Davor gibt es auf Gemeindeebene ein Kurien- und Zensuswahlrecht,
das heißt die Gesellschaft wurde in einzelne Gruppen eingeteilt,
die differenziert war nach dem Einkommen, also welche Einkommensteuer man gezahlt
hat, beziehungsweise nach der Position in der Gesellschaft.
Zum Beispiel ein Volksschullehrer war automatisch in der Wahlkurie 2,
ein Volksschuldirektor in der Wahlkurie 1, unabhängig von irgendwelchen sonstigen
Einkommen, weil die hatten ja Einkommen, das war ja vorhanden.
Es waren auch Institutionen wahlberechtigt, zum Beispiel die Forstverwaltung
hat Wahlrecht gehabt, also quasi als juristische Gesellschaft,
nicht als natürliche Personen, die haben Wahlrecht gehabt,
auch das Gericht hat Wahlrecht gehabt.
Und da waren die drei Wahlkurierinnen unterteilt und in der dritten waren Menschen,
die genug Steuer noch gezahlt haben, dass sie wählen können.
Und wer keine Steuer gezahlt hat bei einer armen Versorgung,
war überhaupt nicht wahlberechtigt.
Bei den Wahlen haben dann alle Stimmen gleichgezählt? Nein, oder?
Nein, nein, aber die Kurien hatten unterschiedliche Zugänge. Das heißt,
die reichsten und die wichtigsten in der Gegend, die hatten die meisten Mandate
im Gemeinderat und die nächsten die zweitmeisten und die dritte Kurie hat die
wenigsten Mandate gehabt. Und das ändert sich aus 1911.
Da wird in Niederösterreich eine vierte Wahlkurie eingeführt.
Da dürfen dann alle Männer über 24 unabhängig vom Einkommen wählen.
Die bekommen aber nur auch wenig.
Zum Beispiel hatten drei Sitze dann im Gemeinderat.
Weil du auch angesprochen hast, das finde ich auch sehr interessant,
und zwar die Forstverwaltung.
Wir wissen ja, dass wir heute den Headquarter der österreichischen Bundesforste
in Purkersdorf haben, erfreulicherweise.
Die sind aber eigentlich schon praktisch fast immer da, oder?
Naja, die Bundesforste sind immer da, außerdem, wenn man meint,
also quasi der Staat ist im Besitz des Ganzen. Es ist 1333, da kaufen die Habsburger
die Herrschaft Purkersdorf.
Und seit 1333 ist das Schloss quasi im habsburgischen oder staatlichen Besitz,
also landesfürstlichen Besitz.
Und die kaiserliche Waldverwaltung für den gesamten Wiener Wald, die war hier bis 1788.
Dann überschüttelt es nach Wien in die neu gegründeten Hofkammer.
Und heraus und Purkersdorf bleibt die Forstverwaltung Purkersdorf.
Das ist dann eigentlich so bis 2002, wo dann die Bundesforst-Generaldirektion
herauszieht, dass der heutige Unternehmensvorstand ist, die nach Purkersdorf gegangen sind.
Also so gesehen gibt es eine lange Kontinuität. Aber damals,
so in der Zeit 1850 bis 1920, ist hier die Forstverwaltung Purkersdorf im Schloss zu Hause.
Du hast es ja auch schon gesagt, ich glaube, einer der einschneidendsten Momente
oder einschneidendsten Veränderungen für Purkersdorf war einfach der Eisenbahnbau
der Westbahn. Das ist ein, man kann fast sagen, Jahrtausende-Ereignis.
Wo die Bahn hier gebaut wurde. Wobei es ist lang diskutiert worden,
wo man sie denn bauen will.
Es gab ja damals schon die Pläne, so wie sie heute fährt, durchs Dullner Feld.
Das ist ja nicht etwas, was wir neu kennen. Die Planung gab es,
auch mit einem Tunnel nach Mauerbach.
Und dann gab es auch damals schon die Planung zum Südbahnhof hinüber,
den es ja schon gegeben hat, wo das auch heute der Fall ist.
Man hat sich dann aber entschieden für die Trasse durch den Wiener Wald aufgrund
von militärischen Überlegungen, weil zum damaligen Zeitpunkt Kanonen eine geringe
Einsatzschussweite hatten und der Wienerwald war quasi Schutz.
Und wenn man die Kanonen jenseits der Donau aufstellt, konnte man die Züge hier
im Wienerwald nicht erreichen.
Das hat sich einmal ausgewirkt im Jahr 1866, wo man versucht hat,
Truppen vom südlichen zur nördlichen Kriegscharplatz zu verschieben.
Und da hat der Purkersdorf eine gewisse Rolle gespielt, die Trasse hier.
Und da haben die Preußen es nicht erreicht. Aber im Prinzip ist es eigentlich
eine Fehlplanung gewesen, von der Eisenbahntechnik her, weil man da den Recker-Winker-Berg
mit einplant und Purkersdorf wurde ja zuschnitten.
Das ist quasi der einzige Ort an der Eisenbahn, wo die Eisenbahn über den Hauptplatz
fährt. Ich meine, das ist auch ein Mehrwert vielleicht.
Ja, mittlerweile ist es ein Mehrwert, nachdem er untertundelt ist.
Aber wir können uns beide noch erinnern an den Schranken, der praktisch immer
mal durch wollte, der immer zu war.
Und man muss da dann durch das berühmte Ratzenloch durchfahren oder durchgehen,
wenn es sich ausgegangen ist. Das es auch erst sehr spät gegeben hat. Das gibt es seit 1928.
Also lange war nichts. Also die Bahn, die Bahn durchschneidet den Ort zur Gänze.
Der Windfluss wird verlegt.
Windflussarme werden zugeschüttet im Zentrum. Der Windfluss hat mehr Entriere
in der Wintergasse. Das ist alles weg. Der wird begradigt zu einem Kanal.
Also der Fluss, wie sie von der Bahnhofstraße nach der Bahnhofstraße,
dann die Windseile hinunter, das ist ja quasi ein Durchstichkanal.
Der Fluss ist ganz anders geflossen. Der Bahnbau ändert hier wirklich alles.
Also den Windfluss, die Landschaft wird verändert, die Trasse wird hineingestellt
mitten in den Ort und an den Hang dann hinauf Richtung Reckerwinkel.
Also das ist ein bauliches, massives Erlebnis für den Ort, für die Bevölkerung
und dann auch die Bevölkerungsveränderung, die damit einhergeht.
Ja, also das hat natürlich eine starke topografische Veränderung.
Aber es hat natürlich auch positive Seiten, und zwar hat der Tourismus einen
totalen Aufschwung gebracht.
Naja, die Leute setzen sich dann in den Zug und fahren in den Wiener Wald und
finden das ganz spannend.
Und da gibt es Reiseführer, so von 1859, wo das beschrieben wird,
wenn man von Wien losfährt und dann kommt man da zum Wolf in der Au und dann
bei Hadersdorf und Weidlingau.
Und dann fährt man in den Wald hinein, in das Gebirge oder bei Mühlberg,
der Griechenskönnelwald.
Und dann kommt man nach Stahl und auch Purkersdorf. Es wird so beschrieben,
als würde man irgendwo in der Schweiz bei den Gletschern vorbeifahren.
Das muss ein irrsinniges Erlebnis gewesen sein.
Recht interessant habe ich auch bei unseren Vorgesprächen gefunden,
dass du gesagt hast, in UnterPurkersdorf war damals die Endstation der Stadtbahn.
Ja, da sind wir dann schon ein bisschen später. Das sind wir dann schon so ungefähr kurz vor 1910.
Da wird dann die Eisenbahn von UnterPurkersdorf nach Hüttl viergleisig ausgebaut.
Und dieser viergleisige Ausbau, den wir heute noch kennen, der liegt jetzt unten und oben.
Dieser viergleisige Ausbau führt dazu, dass man Züge von UnterPurkersdorf,
dann über dann schon die bestehende Stadtbahn, also die Winterlinie ist ja Ende
des 99er Jahre in Betrieb gegangen,
auf die Winterlinie einschwenken kann und quasi von der Westbahn zum Karlsplatz
fahren kann oder zum Praterstern oder nach Helgenstadt.
Das ist ja fast eine bessere Verbindung als heute. Ja, man kann das so sagen.
Es wurde damals nicht so ganz so gesehen, weil die Leute haben sich fütterlich aufgeregt.
Weil diese Züge dann zum Westbahnhof länger gebraucht haben.
Wenn der Hüttel noch abgeschwenkt ist und dann zum Westbahnhof über die Gürtellinie,
das länger gedauert hat, wenn er direkt reingefahren wäre.
Das Zweite, wo die Leute sich aufgeregt haben, dass natürlich die dann,
wenn sie unten gefahren sind, zum Beispiel beim Westbahnhof waren es unter,
das ist schon damals, dann hat es gestunken, dass sie mit Dampf gefahren sind.
Also die Startbahn in Wien ist mit Dampf gefahren und ist nicht gequalmt.
Da gab es massive Aufstände und auch Unterschriften, Aktionen schon so 1910,
dass der Zug wieder direkt zum Westbahnhof fahren soll.
Aber gehen wir nochmal zurück zu der Gründung, wie da die Eisenbahn gekommen
ist und den Tourismus angekurbelt hat.
Interessant ist ja auch, dass Purkersdorf und Umgebung, also Breisbaum und so
weiter, auch eine große Rolle eigentlich im Wintersport gespielt hat.
Ja, die Leute sind Skifahren gegangen. Also die ganze Skifahrtsentwicklung in
unseren Breiten ist so ungefähr 1880 stärker da.
Matthias Trask in Lilienfeld oder Oberst Pilgeri am Bödele in Thornbirn oder
die Kleinoschek und Toni Schruf und Oskar Kleinoschek in Mürzzuschlag und am Semmering.
Da gibt es so Skipioniere und das Ganze spielt sich dann auch nicht im Wienerwald
ab, man ist mit dem Zug relativ schnell heraußen, kann nach Eckerwinkel fahren,
nach Bresbaum, nach Purkersdorf und hat also die Skiwiesenbevölkerung,
ist mit den Skiern durch den Wald gegangen.
Es gibt auch damals schon Skiführer, um mit den Skiern von Purkersdorf zum Traubberg
zu gehen oder vom Pressbaum auf den Jochgrabenberg.
Ein Skigebiet, das erschlossen wird. In Wien ja genauso drinnen.
Es gab ein eigenes Schneetelefon bei der Mietze Langer Kauber.
Es gibt ja heute noch das Geschäft in der Kaiserstraße, das Bergsportgeschäft.
Und dort gab es ein Telefon schon und da haben die Leute das Reckerwinkel berichtet,
wie die Schneelage ist. Und da konnte man hingehen und sagen, wie ist der Schnee?
Und dann hat die gesagt, ich weiß nicht, 5 cm plus Maul aufs Hügel,
ein bisschen verschmiert, das geht schon.
Nein, das geht so salopp. Und dann ist man nach Reckerwinkel gefahren und ist
Skifahren gegangen. Also das heißt, ab 1900, 1890 ist das schon ein...
Massiv als wichtiges Element hier. Und Purkersdorf und Breisbaum,
wir gelten als Wintersportzentren und da gibt es einen Wintersportführer für
Österreich und da wird Purkersdorf nach Ölztal genannt.
Und es gab sogar auch Rodelbahnen und Skisprung, oder?
Ja, Rodeln war eine Volkssportart, das ist halt ein bisschen weg,
dieses Eiskanalrodeln.
Naturbahnrodeln ist irgendwie in Österreich eher weniger und weniger mehr bekannt,
obwohl es jetzt durchgeführt wird, aber im Fernsehen zeigt man ja maximal nur
Autorennen an den Fußball und ein bisschen Ski-Aufwärtslauf.
Aber Rodeln war Volkssport.
Es gab zum Beispiel am Aninger, wenn wir so ein bisschen ausschwenken nach dem
Ödling, am Aninger gab es eine Rodelbahn mit gebauten Kurven,
so wie es am Eiskanal heute ist. Das sind Rodelmeisterschaften gewesen.
Und in Purkersdorf gab es eine Rodelbahn von der Hochraum herunter,
wo die Rodeln mit Pferden, mit Eseln wieder hinaufgebracht wurden.
Also Rodeln war totaler Volkssport. Und Skispringen auch. Man hat auch Skispringen
gegangen. In Bresbarm gab es eine Schanze, in Hadersdorf gab es eine Schanze.
Dann später war das immer schon in der ehemaligensten Zeit in Hütteldorf.
Und in Purkersdorf gab es keine bekannte Sprungschanze in dem Sinn,
aber man hat das genauso gemacht, irgendwo eine Schanze gebaut und es drübergekupft.
Aber das Skispringen, wie wir kennen, das ist eh in Hasersdorf gewesen und in
Bresbaum und Bichaberg.
Aber beim Wintersport kurzbleibend ist natürlich erst später gekommen,
aber es gab sogar einen eigenen Ski, ne?
Naja, es gibt dann schon, da sind wir jetzt schon weiter später,
da sind wir jetzt schon in den 50er und 60er Jahren, da gab es eine eigene Skimark,
die hat Wientalski geheißen.
Davor haben Skier viele Tischler und Waggermeister produziert.
Also die großen Skifirmen haben ja auch diesen Ursprung, der Robert Moser,
der Atomic gegründet hat, das war eigentlich der Waggermeister oder Zimmermann,
also von der Branche kommt das eher.
Also da hat man einfach Holzbrettl produziert. Aber diese Produktion,
die später ist, das ist schon...
Ein vernünftiger Ski gewesen, teilweise das Hickory-Holz aus Kanada.
Das ist immer so 50er, 60er, Marke Wienthal.
Aber gehen wir eben wieder in die Zeit vor 1900.
Es gab hier einer der ersten Elektrizitätswerke in Burkisdorf.
Eine private, die Holzstöckelfabrik Schwarzhuber, Leopold Schwarzhuber,
das ist ja Schwarzhuberklasse.
Das war dort, wo heute der Hofer ist.
Später Trautenberger, dann Hofer. Und dort war das erste Dampfkraftwerk, wo Strom erzeugt wurde.
Später baut dann die Gemeinde ein Kraftwerk in der Windseile.
Dort war heute noch die Wiener Netze, die ein Grund haben, die bauen jetzt neu draußen.
Aber dort war das das E-Werk und da wurde Strom produziert in Purkersdorf direkt.
Und Purkersdorf war der erste Ort in der ganzen Gegend mit einer öffentlichen
Straßenbeleuchtung, mit elektrischem Strom, so 1905 gibt es das schon.
Und das Hotel Seenfelder, das ist dort, wo die Bühne heute ist,
das war ein Hotel, die werben schon 1904 einen Prospekt, dass sie in jedem Zimmer
elektrisches Licht haben.
Wenn man das ein bisschen vergleicht, wie spät es woanders sein kann,
also dass quasi das sehr früh war, die Hochrahmalpe, die wir alle kennen mit
dem Bootfahren, die wurde an Stromnetz 1971 angeschlossen.
Also ich habe das als Kind noch erlebt ohne Strom dort. Also das muss man sich
vorstellen, in Purkersdorf gibt es Strom schon 1904, 1905.
Und Purkersdorf hatte auch eine eigene Gemeindepolizei, ne?
Ja, den Sheriffstern haben wir
noch im Museum. Das waren fünf Gemeindepolizisten in eigener Wachkörper.
Der Wachkörper sonst war die
Gendarmerie, die wurde auch 1848 nach der Revolution ins Leben gerufen.
Dass in jedem, auch ländlichen Ort, war die Gendarmerie zu Hause,
aber jede Gemeinde hatte die Möglichkeit und hat es eigentlich bis heute und
konnte eigene Wachkörper führen.
Und es gab eben fünf Gemeindepolizisten, die also hier für Sicherheit,
Ruhe und Ordnung gesorgt haben, neben der Gendarmerie.
Ja, liebe Hörerinnen und Hörer von Hallo Purkersdorf, hier möchte ich euch natürlich
Punkt A darauf hinweisen,
dass ihr zu all dem Gesagten hier noch mehr Infos, Bilder und so weiter auf
unserer Blogseite auf hallo-Purkersdorf.blog nachlesen könnt.
Und ich darf euch natürlich auch hinweisen darauf, dass wir auch schon über
das Stadtmuseum eine Episode gemacht haben.
Und ihr könnt all diese Dinge, wie zum Beispiel, wie der Christian richtig sagt,
den Sheriffstern so nicht, den könnt ihr auch alles hier im Purkersdorfer Stadtmuseum
auch sehen, genauso wie die Bilder vom E-Werk.
Purkersdorf hatte ja auch ein Kino, nicht? Wann ist denn das gegründet worden?
Also die ersten nachgewiesenen Filmvorführungen waren 1911 in der heutigen Bühne.
Das war der Prachtsaal des Hotels in Felder. Und die haben dort Filmvorführungen
für die Sommerfrischler gemacht, für die Hotelgäste.
Das war also der Ursprung. Und dort später war dann das Kino auch in dem Saal bis 1969.
Aber das ist relativ früh, weil Kino-Filmvorführungen gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts.
1897, so in der Zeit, entstehen die Kinos dann. Und Purkersdorf war bei 1911,
glaube ich, relativ früh dran, würde ich sagen.
Und zum heutigen Tennisclub, die haben zwar nichts damit zu tun,
aber es gab auch schon einen Vorgänger-Tennisclub.
Ja, da sind wir wieder bei der Gesellschaft, diese sommerfrische Gesellschaft,
und bürgerliche Gesellschaft, wo es dann auch viele Leute gibt,
die quasi Purkersdorf zum Hauptbundsitz wählen, also die Sommerwilla quasi zum Hauptbundsitz wählen.
Die haben sich auch am Tennisplatz herumgetrieben und einen eigenen Tennisplatz
gebaut, einen Tennisplatzclub gegründet.
Und der Tennisplatz war dort, wo heute der Park-and-Ride-Parkplatz ist, bei der Kellerwiese.
Und die haben eigene Turniere durchgeführt. Der Bürgermeister Dr.
Hild war das damals, war der Obmann des Tennisclubs.
Und die sind im österreichischen Tennisverband aktiv gewesen.
Es gibt sogar Jahresberichte von dem Tennisclub.
Aber der heutige Tennisclub hat damit eigentlich nichts zu tun.
Das ist eine Neugründung, glaube ich, 1974, 1973.
Aber auch im Bildungswesen war Purkersdorf damals nicht untätig.
Es gab mehrere Schulen hier, ne?
Naja, die Gemeinden waren nach dem Reichsvolksschulgesetz von 1869 angehalten,
Österreich eine Volksschule zu bauen, weil die Schulpflicht wurde von vier auf acht Jahre erhöht.
Und die Vorgabe war im Umkreis von vier Kilometer Fußentfernung für jedes Kind
eine Volksschule zu haben.
Darum die vielen kleinen Schulen wie in Wolfskram, in Rekkerwinkel, in Dullnerbach etc.
Und in Purkersdorf hat man eben auch eine Schule gebaut, das heutige Rathaus,
1875 als Schule eröffnet.
Und dann wollte man halt auch eine Schule haben, wo also quasi ein Hauptschulabschluss
möglich ist, ein Mittelschulabschluss, damals hat das Bürgerschule geheißen,
das gab es nur in größeren Gemeinden, die sich das geleistet haben,
weil die Gemeinden mussten ja die Schulen errichten, so wie das heute auch nach
wie vor ist, dass die Pflichtschulen die Gemeinden ja erhalten müssen,
und da entschließt man sich in Purkersdorf eine.
Bürgerschule zu bauen, das ist 1898, das ist das heutige Mittelschule oder frühe Hauptschulgebäude.
Und da ist dann die Volksschule mit der Hauptschule, der Bürgerschule untergebracht
worden und die Volksschule konnte zum Rathaus werden.
Was es auch gegeben hat in der damaligen Zeit, war eine Handelsschule,
die aber privat geführt wurde, das war die, die in Erinnerung habe.
Aber später ist dann Purkersdorf als Standort für Sekundarstufe 2 ja nicht mehr
in Frage gekommen, erst durch die Gründung des Gymnasiums 1996 gibt es das wieder dann.
Das gab auch damals auch schon ein Schwimmbad.
Ja, das Schwimmen war ein ganz wichtiger Aspekt, besonders auch für die Leute
in der Sommerfrische, die hier auf Urlaub gekommen sind.
Und man hat halt das Wasser von den Flüssen genommen, das hat man nicht nur
bei uns gemacht, auch in anderen Gegenden Österreichs.
Und hat also das Wasser abgeleitet in Schwimbecken. Bei uns ist das das heutige Wiener Waldbad.
Das hat geheißen Deutsch Waldbad und wurde gespeist durch den Mühlbach,
der heute beim Staubmann, Gast als Staubmann, abgezweigt ist und Richtung Pragermühle.
Das ist dort, wo heute unsere Kapelle steht.
Und dieser Bach hat in Wien das Bad gespeist.
Das zweite Bad, das es damals gegeben hat, so vor dem Ersten Weltkrieg,
war in der heutigen Bad Seggingenstraße.
Das ist gespeist worden durch den Gablitzbach. Das hat lange Zeit betrieben,
der langjährige Bürgermeister Karl Kurz.
Das Bad hat weg. Karl Kurzgasse. Ja, Karl Kurzgasse, genau. Der war da quasi
der Badewaschl oder Bademeister oder immer auch Badebesitzer.
Und dieses Bad hat so existiert, bis um den Ersten Weltkrieg Ende herum eine
Großmutter, die mir erzählt hat, dass sie dort schwimmen gelernt hat.
In alten Plänen ist es um 1910 noch eingezeichnet. Später ist es dann weg.
Also es dürfte dann verschwunden sein.
Und natürlich der Bach, weil es einfach in Wien fußbaden gegangen ist.
War üblich, ja. Es gab ja auch hier eine eigene Sparkasse in Purkersdorf.
Ja, das ist ein Zeichen auch, dass die Wirtschaft sich entwickelt hat und dass
die Menschen eine Bank gebraucht haben, dass Geld irgendwie zur Verfügung steht,
wo man sparen kann und investieren, wozu man eine Bank braucht. Und da entstehen im 19.
Jahrhundert ja viele Institutionen.
Im ländlichen Bereich ist das Reifeisen, später auch die Volksbanken fürs Gewerbe,
auch wieder die differenzierte Gesellschaft, die Landwirtschaft hat die Reihwesenkasse,
das Gewerbe hat die Volksbank,
die Arbeiter haben dann später die von Karl Renner gegründete Bank für Arbeit,
das ist aber schon auch im Ersten Weltkrieg, die spätere Bawag,
die es ja auch niemand in der Form gibt.
Und die Sparkassen sind ein Konzept gewesen, mit dem sich stark die Gemeinden
beschäftigt haben, Sparkassen der Gemeinden.
Das können Sie sich ja viel erinnern, die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, sagt es gar nicht.
Und im Jahr 1897 wurde in Purkersdorf die Sparkasse der Gemeinde Purkersdorf gegründet.
Und die erste Bankfiliale war am Hauptplatz Nummer 14, dort wo der Optiker ist, heute.
Und ist praktisch der Vorgänger der jetzigen, also lange der Bank ausweigerlich?
Naja, das entsteht dann durch die Nazizeit. Also die Gemeindesparkassen rund
um Wien wurden bei allen Gemeinden, die zu Wien damals eingemeindet wurden,
durch die Nationalsozialisten 1938,
wurden diese Filialen von der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien übernommen.
Und die Zentralsparkasse, bekanntlich auch Bank Austria Unikrede,
das ist jetzt weggenommen. Also die Bank Austria in Purkersdorf ist eigentlich
vom Standort her die älteste Bank und mir der Bekannte ist ja bis heute auch
quasi die mit den meisten Privatkunden im Ort.
Also das ist sicherlich auch mit der Geschichte zusammen, da mit dem Schulsparen
natürlich und so weiter.
Also quasi die erste Sparkasse war die Sparkasse der Gemeinde Purkersdorf.
Aber es gibt und gab natürlich auch sehr viele bekannte Persönlichkeiten in
Purkersdorf, auch aus dieser Zeit damals.
Ja, das hängt auch eben damit zusammen, dass die Zusiedelung und Zuwanderung
sehr stark war und Menschen hier gelebt haben, die dann auch für uns heute bekannt gelten.
Zum Beispiel Karl Landsteiner, der Entdecker der Blutgruppen und der Resusfaktoren,
der hat bis 1920 in Purkersdorf auch zwei Häuser besessen und hier gelebt,
bevor er Österreich verlassen hat.
Winterkasse, nein, es war in der Wiener Straße, Winterkasse hat er gewohnt.
Aber der verlässt Österreich 1920 schon, verkauft alles, weil er aufgrund seiner
jüdischen Herkunft in Österreich keine Chance hat und in Forschungsinstitutionen,
ist er dann in Holland und später in Amerika.
Also Landsteiner ist so jemand, der in der Zeit hier lebt oder ein ganz berühmter,
der 1900 auch in Purkersdorf geboren wird, in der Hartstrehmeierkasse 12,
das ist Gottfried von Haberler, später Gottfried Haberler.
Der war Nationalökonom und hat gelehrt an der London School of Economics und
in Harvard. Ist in Washington gestorben 1995.
Also die Leute werden hier geboren, leben hier, wachsen hier auf.
Viele kommen hier Sommerfrischler her, wie zum Beispiel Gustav Mahler,
der hat sehr viel Zeit im Sanatorium verbracht oder auch Gustav Klimt zum Beispiel.
Da komme ich natürlich gleich zu einem wichtigen Punkt, das Sanatorium Westend bzw. der Hoffmannbau.
Ja, das ist eine riesige Anlage gewesen von 13 Hektar, entsteht so ca.
1880, das ist dann da am Westend von einem gewissen Dr. Löw,
der da Pavillons errichtet, Wielen etc.
Und Kaltwasserkuren anbietet, also eine Kaltwasserheilanstalt auch.
Und das kauft dann der Victor Zuckerkandel 1903, 1904 und beauftragt dann den
Josef Hoffmann, eben dieses berühmte Gebäude zu errichten.
Und dann wird es so für eine gewisse Zeit, es ist ja relativ kurz,
die Nazis kommen ja schon auf der 30, wird es dann so ein Treffpunkt von Menschen,
die Erholung suchen, die Wellness, würden wir heute sagen, suchen.
Eine bestimmte avantgardistische Klientel ist das gewesen,
also die Zeit des Jugendstils und der Sezession verkehrt hat dort,
also die Alma Mahler hat dort genauso verkehrt wie Hermann, der Gustav Mahler
oder, wie ich schon gesagt habe, Gustav Klimt oder auch viele andere wie der Kolomosa,
also viele waren im Sanatorium und das hält so an ein bisschen bis 1938 und
dann kommt die Vernichtung und Vertreibung der Familie Zuckerkandel.
Da gehen wir natürlich dann eh auch noch in den weiteren Teilen näher darauf ein.
Aber natürlich ganz schlimm für die komplette Bevölkerung.
Aber wie war es auch für Purkersdorf, also Erster Weltkrieg dann 1914?
Ja, das, was man so aus den Archiven weiß oder auch aus Erzählungen noch,
dass die Kriegsbegeisterung genauso Purkersdorf ergriffen hat und dass es viele
freiwillige Meldungen gegeben hat, viele auch eingezogen wurden.
Also mein Großvater war vier Jahre im Ersten Weltkrieg beim Militär.
Also nicht als Freiwilliger als Ab 14, sondern der ist halt eingezogen worden,
weil er halt Reservist war.
Der Ort, die verliert halt diese sommerfrische Funktion, die Aussichtswarten
werden gesperrt im Ersten Weltkrieg wegen Spionagegründen.
Purkersdorf ist ja dann der Folge auch ein Ort, wo es Kriegslazarette gibt im
Ersten Weltkrieg, wo Menschen sterben im Lazarett, gibt es am Friedhof ein eigenes
Grab, wo die Kriegstoten, die im Lazarett in Purkersdorf gestorben sind, bestattet sind.
Also quasi der Spaß ist einmal aus, also diese Spaßgesellschaft ist vorbei.
Ab 1917, so wie auch in Wien, ist die Versorgungslage ein Problem.
Es gibt die Lebensmittelkarten des Ersten Weltkrieges, schon ab 1917 die Lebensmittelbewirtschaftung.
Der Ernährungstag ist eben ein massives Problem in der Zeit.
Was noch dazu kommt, ist, die Gemeinden wurden von der Landesregierung angehalten,
Kriegsanleihen zu zeichnen und die Gemeinde musste dadurch Kredite aufnehmen.
Die Kriegsanleihen waren natürlich dann 1918 nichts mehr wert.
Die Gemeinde ist auf den Schuldensitzungen geblieben, nicht nur Burgers,
aber auch die anderen Gemeinden.
Also der Erste Weltkrieg ist sicher ein massiver Einschnitt,
der dann später, also am Ende des Krieges und so 1918, 1919,
wieder viele Menschen in den Wienerwald bringt, aber nicht als Touristen,
sondern zum Holz sammelt.
Da gibt es Fotos, wo die Leute mit dem Holzbündel auf der Bahn stehen,
um nach Wien zurückzufahren.
Also quasi diese erste Spaßgesellschaft vor 1914.
Wo man ins Wellness-Hotelsanatorium fährt, sich beim Kirtag gut gehen lässt,
in den Wald spazieren geht und dann vielleicht noch mehrere Krügel zu sich nimmt,
bevor man wieder nach Wien zurückgeht.
Das hat einmal ein jedes Ende genommen. Das ist definitiv vorbei.
Hat wahrscheinlich, ich sage jetzt einmal so, mit ein bisschen einem Nachhall,
dann schon noch bis 38, eigentlich wirklich sein Ende gefunden.
Also an das konnte Purkersdorf eigentlich Jahrzehnte nicht mehr anknüpfen.
Ich sage es, viel später quasi, da sind wir dann schon in den 90er Jahren,
im 20. Jahrhundert, so man sagen kann.
Vielleicht ist das der Punkt, wo man dann quasi dort wieder ein bisschen hinkommt,
nur halt mit anderen Strukturen und anderen gegeben hätten.
Ja, das war natürlich auch knapp, knapp nach dem Ersten Weltkrieg für alle,
dann auch die spanische Grippe.
Ja, auch die hat es in Purkersdorf gegeben. Also es war die Schule, wurden gesperrt.
Es gab also, so wie wir das bei Covid angeht, gekannt haben,
also quasi Lockdowns, ähnliche Dinge.
Die Todeszahlen werden in Purkersdorf nicht so beschrieben.
Ich finde es auch interessant, dass in meiner eigenen Familie,
die in Purkersdorf in der Zeit, die die Leute gelebt haben, Meine Großeltern
zum Beispiel, die Großtante.
Die nie von der Spanischen Grippe erzählt haben. Das hat mich total fasziniert
dann später, weil, wenn man sich mit Geschichte beschäftigt,
taucht die Spanische Grippe irgendwann einmal auf.
Aber in der Erzählung hier hat das keine Rolle gespielt.
Und in der Chronik kommt es zwar vor, aber lang nicht in der Dimension,
die es so weltweit heute dargestellt wird.
Das ist interessant, dass entweder war das hier nicht so extrem oder es wurde nicht erkannt.
Leute sind nicht gestorben. Man ist früher gestorben, es hat nicht so aufgenommen,
wenn er mit 40 stirbt, das war nicht abnormal oder mit 55 oder noch früher.
Vielleicht liegt es daran, aber das spielt in der kollektiven Erinnerung in
Purkersdorf wenig Rolle oder bis keine.
Das ist ganz interessant, aber es muss Tagwesen sein, weil es die Toten gibt
in der Krone, die Schulschließungen, das ist Thema.
Um zum Schluss für unseren ersten Teil dieser Serie Purkersdorf gestern und
heute noch etwas Positives hineinzubringen.
Es gab auch einen eigenen Purkersdorf-Marsch. Ja, Purkersdorf war ja,
wie haben wir schon gesagt, sommerfrische Spaßgesellschaft und der Spaßgesellschaft immer Musik hören.
Und da gibt es halt Menschen, die in Purkersdorf verkehren und Musik machen.
Komponisten, die Urlaub machen.
Jetzt zum Beispiel Emmerich Kalman hat in den Sommer verbracht in Purkersdorf,
nachweislich, als der fremde Komponist dann.
Der hat also hier komponiert, das
wissen wir auch, der hat an der heutigen Fürstenberggasse Urlaub gemacht.
Und es gibt auch einen Marsch von Josef Schraml, der vom Schraml-Quartett,
der heißt Purkersdorfer Marsch.
Der scheint damals irgendwo in Gasthäusern gespielt worden zu sein.
Ich glaube auch andere Komponisten. Ernst Wolf hat einer geheißen.
Da gibt es auch Ernst-Wolf-Gasse auf dem Sargberg, glaube ich nicht.
Und auch der hat Lieder geschrieben, die dann gespielt wurden in den Gasthäusern.
Also man hat quasi, so wie heute, dass jeder das ein Stick irgendwo hat und
dann mit der Musik gemacht.
Oder manchmal ist es ein Krach, wie der ich sagen. aber vielleicht liegt das an meinem Alter.
Das hat man damals eben live gemacht und hat im Klavier gespielt und jedem wird
es ein Klavier gegeben und er wird dann gespielt und wurde etwas komponiert und gesungen.
Und da gab es also mehrere Leute, der Daniel Kiesling, der ein Vorfahrer von
Niki Neuntöffel, der auch Ortschronist
war, der hat gedichtet und diese Gedichte wurden auch vertont.
Also das sind Dinge, die heute sehr verloren und verflossen sind.
Aber im Prinzip ist es heute ähnlich. Denkt man uns an David Schrottenbaum,
man als eine Gitarre nimmt und welche Lieder auch selber komponiert.
Im Prinzip gibt es da auch quasi eine Entsprechung zu damals wieder.
Ja, wunderbar. Wir sind jetzt bei 1920 sowas angelangt.
Werden im nächsten Teil dann in die nächsten Jahre eintauchen,
die wir alle wissen, geschichtlich natürlich nicht viel positiver worden,
wie es weitergegangen ist, aber natürlich schauen wir uns dann an,
wie ist es Purkersdorf ergangen, wie war das alles.
Christian, ich kann dir nur mal sagen, herzlichen Dank für diesen ersten Teil.
Wir arbeiten daran weiter am zweiten.
Ja, und euch, liebe Hörerinnen und Hörer, kann ich nur ans Herz legen,
besucht wirklich das Stadtmuseum Purkersdorf, seht euch das im Internet an,
macht euch einen Termin aus, hier könnt ihr viel von dem auch sehen,
was wir heute besprochen haben.
Wie gesagt, wir werden auch sehr vieles auf die Blogseite bringen auf hallo-Purkersdorf.blog.
Wir danken euch fürs Zuhören bei diesem ersten Teil Purkersdorf gestern und
heute und freuen uns bis zum nächsten Mal.
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