Hallo Purkersdorf

Der Talk über Menschen und Themen

Purkersdorf GESTERN & HEUTE_Teil 3

Zwischen Krieg und Neubeginn – Purkersdorf auf dem Weg zurück ins Leben

18.02.2026 40 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Episode wird gemeinsam mit Dr. Christian Matzka ein Blick auf die dunklen Kapitel der Geschichte geworfen. Vom Jahr 1938 über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu den letzten Kriegstagen und der schwierigen Nachkriegszeit. 

Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen des NS-Regimes auf die Bevölkerung: Verfolgung, Ausgrenzung und das Schicksal der jüdischen Mitbürger, aber auch Themen wie Zwangsarbeit, politische Repression und die gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit. 

Die Episode zeigt, wie sich diese Entwicklungen konkret auf Purkersdorf auswirkten und wie schnell sich das Leben vieler Menschen veränderte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den dramatischen Ereignissen rund um das Kriegsende 1945, als Purkersdorf Teil der Kampfhandlungen wurde und sich die Gemeinde neu organisieren musste. 

Es geht um die unmittelbaren Herausforderungen nach dem Krieg, den Versuch, wieder Ordnung herzustellen, und die ersten Schritte in Richtung Wiederaufbau. 

Zum Abschluss blickt die Episode auf die weitere Entwicklung der Stadt und schafft den Übergang zum nächsten Teil der Reihe.

HALLO PURKERSDORF
Der Talk über Menschen und Themen in und um Purkersdorf


In dieser Episode des Podcasts HALLO PURKERSDORF widmen wir uns einem zentralen Kapitel der lokalen Zeitgeschichte: Purkersdorf in den Jahren rund um 1938, während des Nationalsozialismus, dem Kriegsende 1945 und dem schwierigen Neubeginn in der Nachkriegszeit.

Gemeinsam mit Historiker Dr. Christian Matzka sprechen wir über die Auswirkungen des NS-Regimes auf die Gemeinde, die Situation der jüdischen Bevölkerung, politische Verfolgung, Zwangsarbeit sowie die gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit. Die Folge zeigt, wie stark globale Ereignisse das Leben in einer kleinen Stadt beeinflussten und wie Purkersdorf zum Ende des Zweiten Weltkriegs selbst zum Schauplatz historischer Entwicklungen wurde.

Ein besonderer Fokus liegt auf den dramatischen letzten Kriegsmonaten, den Herausforderungen der Versorgung, den ersten Schritten des Wiederaufbaus und dem Aufbruch in eine neue Ära. Die Episode verbindet lokale Geschichte mit großen historischen Zusammenhängen und macht sichtbar, wie Vergangenheit bis heute nachwirkt.
In dieser Folge geht es um:
  • Purkersdorf und die NS-Zeit ab 1938
  • Nationalsozialismus und lokale Geschichte in Niederösterreich
  • Verfolgung, Ausgrenzung und jüdisches Leben
  • Zwangsarbeit und Alltag im Zweiten Weltkrieg
  • Kriegsende 1945 und die Schlacht um Wien
  • Nachkriegszeit, Wiederaufbau und gesellschaftlicher Wandel
  • Historische Entwicklung Purkersdorfs bis in die Nachkriegsjahre
🎙️ Podcast: HALLO PURKERSDORF
📚 Reihe: Purkersdorf Gestern & Heute
🌍 Themen: Zeitgeschichte, Zweiter Weltkrieg, Regionalgeschichte, Österreichische Geschichte, Erinnerungskultur
🔎 Keywords: #Purkersdorf Geschichte, #Zweiter Weltkrieg, #Österreich, #NS-Zeit, #Niederösterreich, #Kriegsende 1945, #Nachkriegszeit Österreich, #lokale Geschichte Podcast, #Zeitgeschichte Podcast


Die HALLO PURKERSDORF Blog Beiträge zu allen Episoden kannst du unter  hallo-purkersdorf.blog nachlesen.

Info
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Transkript

Willkommen zu einer neuen Folge von Hallo Purkersdorf. Heute tauchen wir in den dritten Teil unserer Reihe Purkersdorf gestern und heute. Wir schreiben das Jahr 1938. Der Anschluss an Hitler-Deutschland verändert alles. Was bedeutet der Nationalsozialismus für die Menschen hier vor Ort, wie tief grub sich die Verfolgung in das soziale Gefüge unserer Gemeinde. Gemeinsam mit dem Historiker Dr. Christian Matzka und meiner Co-Autorin Maria Schinko blicken wir in den Abgrund. Wir sprechen über die verheerende Rolle des Nationalsozialismus und das bittere Elend der jüdischen Bevölkerung von Purkersdorf. Vom Grauen der Verfolgung über die harten Kämpfe der letzten Kriegstage bis hin zur erschütternden Nachkriegszeit mit ihren hohen Selbstmordraten, wir beleuchten die dunkelsten Jahre unserer Geschichte. Hören Sie rein, wenn wir versuchen zu verstehen, wie Purkersdorf diese Zerreißprobe überstand und welche Herausforderungen die Gemeinde auf dem. Ja, herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer von Hallo Purkersdorf, der Talk über Menschen und Themen in und um Purkersdorf. Und wie euch bekannt ist, machen wir ja die vierteilige Serie Purkersdorf gestern und heute. Und heute haben wir Teil Nummer drei. Wie immer begrüßen wir mit großem Dank den Historiker Dr. Christian Matzka. Servus, Christian. Grüß dich, servus, Michi. Ja, und an meiner Seite, die auch den Blog schreibt, ist wieder auch die Maria Schinko, die ihr zwar nicht hört, aber sie sitzt hier neben mir. Ja, Christian, in Teil Nummer zwei, den haben wir beendet mit 1938, Hitler fuhr durch den Hauptplatz im offenen Wagen. Wurde dann in Harersdorf-Weidlingau aufgehalten, aber nicht deswegen, dass sie ihm abgewehrt hätten, sondern voller Begeisterung. Und hier schließen die an, bei 1938, wie war das? Also einerseits die Begeisterung, wir haben das schon gehört, also am Hauptplatz und auch dann in Wien, wie wir diese Bilder kennen, das ist die eine Seite. Aber was man da immer dazu sagen muss, es gibt ja auch eine andere Seite, nämlich die weniger Begeisterten oder solche Menschen, die aufgrund dieser Entwicklungen dann Probleme bekommen und Schaden leiden und verfolgt werden. Und das geht ja alles ganz schnell parallel dazu, dass also neben diesen Begeisterungsbildern eigentlich schon die Polizei, an die Gestapo unterwegs ist und Menschen verhaftet, die Menschen in Notarrest, hat man das gesagt, in Notarreste steckt, wo man eigentlich in Schulen, Keller, Gefängnissen macht, wie zum Beispiel in der Keniongasse oder in der Karajangasse in Wien, wo so viele Notarreste, wurde das gesagt, eingerichtet wurden, um die vielen Menschen sofort verhaftet wurden, gleich nach dem 12., 13., 14. März quasi unterzubringen. Und der erste Transport von Wien, von politischen Hälften nach Dachau, geht schon am 1. April vom Minervestbahnhof weg. Und da sind also viele Prominente dabei, der erste große Prominententransport, wie zum Beispiel die Söhne vom Erzsatz Franz Ferdinand, die Hohenbergs, die da auch dabei waren, und viele andere, wie Victor Matejka. Das heißt also, das ist die andere Seite. Und diese andere Seite, die gibt es auch in Purkersdorf. In Purkersdorf gab es ja über 70 Menschen mit israelitischem Religionsbekenntnis. Wie viele es waren nach den Nürnberger Rassengesetzen, wie viele jüdische Menschen, die von den Nazis zu Juden gemacht wurden, Das entzieht sich unserer Kenntnis, da ist der Forschungsstand sehr schwierig weiterzuführen, wie man das herausfiltern könnte. Das führt dazu, dass auch aus Burgers da viele Menschen flüchten, vertrieben werden, emigrieren, je nachdem welchem Begriff man verwenden möchte und andere nicht. Und die kriegen dann die Probleme mit den Nationalsozialisten, die werden relativ schnell aus der Bevölkerung herausgenommen und separiert und. Der weitere Schritt ist dann eben der Tod gewesen. Und das geht relativ schnell, ganz ruckzuck. Das ist ja das Interessante, dass es so schnell ging, dass es eigentlich vorauseilend war dem ganzen System. Das war eigentlich, Hitler ist durchgezogen, ist eingezogen und schon sozusagen im gleichen Moment haben diese schrecklichen Taten eigentlich stattgefunden. Ja, es scheint so, als wäre alles schon in der Schublade vorbereitet gewesen. War es ja auch mit illegalen Nationalsozialisten. Und dazu kommt natürlich noch die Geisteshaltung vieler Menschen. Antisemitismus war eine gesellschaftlich damals akzeptierte Haltung, die politische Parteien verfolgt haben. Also auch die christlich-soziale Partei hat das im Parteiprogramm noch 1926 drinnen, die deutschnationalen Parteien genauso, mit Alia Paragrafen etc. Aber auch die Sozialdemokraten haben in sich viele Politiker gehabt, die antisemitisch argumentiert haben. Karl Renner wird das ja immer wieder im Nachhinein noch vorgeworfen zum Beispiel. Also das war eine Haltung, die da war. Und sofort 1938 geht das in Österreich und auch in Purkersdorf los. Und das, wofür man in Deutschland fünf Jahre, sechs Jahre gebraucht hat, braucht man in Österreich ein paar Wochen, ein paar Monate. Darauf wollte ich hier auch zu sprechen, kann man das in unserem Vorgespräch gesagt, da gibt es eine Abhandlung von Hilberg, der dieses Ablaufmodell erstellt hat. Ja, Raoul Hilberg war ein österreichischer, ein Wiener, ein Wiener junger Mann jüdischer Herkunft, der 1938 vertrieben wird. Später Historiker wird, also Geschichte studiert und die erste große wissenschaftliche Abhandlung über die Vernichtung der europäischen Juden in den frühen 60er Jahren herausgibt. Auf Deutsch ist es übersetzt worden in den Mitte der 1980er Jahre. Also wie ich studiert habe, hat es das überhaupt noch nicht gegeben bei uns. Und Hilberg hat also einen Ablaufprozess festgestellt, wo man zuerst einmal die Menschen definiert. Weil die Nazis sagen ja, sie sagen ja, wer Jude oder Jüdin ist. Das hat ja gar nichts mit der Religion direkt zu tun, sondern das geht ja über den Abstammungsnachweis, wer quasi jüdische Großeltern hat, ist in irgendeiner Form Jude oder Jüdin. Und diese Gesetze werden in Deutschland 33 mit dem Berufsbeamtengesetz und 35 mit diesen sogenannten Nürnberger Gesetzen beschlossen. Und dann gehen halt die weiteren Schritte los. Das ist die Definition. Der nächste Schritt ist dann quasi die Segregation, die Ausgliederung der Menschen aus der Gesellschaft. Die dürfen ihre Berufe nicht mehr ausüben, verliehen ihre Firmen, ihre Wohnungen etc. Und werden in bestimmte Stadtviertel verlegt, in bestimmte Häuser oder vertrieben müssen weg. Das ist die andere Seite auch. In Österreich zum Beispiel sind ja ungefähr zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung vertrieben worden, die quasi ins Ausland gegangen sind. Der nächste Schritt ist eben, also die Segregation in bestimmte einzelne Häuser und der nächste Schritt ist dann die Deportation, dass man die Menschen wegbringt Richtung Osten, die noch da sind und dann in sogenannte Ghettos, haben die Nazis das genannt, bringt und zur Zwangsarbeit verpflichtet und von dort dann in die Vernichtungslager bringt, die dann bekannt sind wie Auschwitz-Birkenau oder Treblinka oder Peltzschetsch. Und diesen Ablaufprozess, den Hilberg feststellt, den können wir in Österreich, und jetzt gehen wir auf Purkersdorf, ganz, ganz, ganz schnell feststellen. Also in Purkersdorf geht das sofort los. Also am 12. März, das haben wir, glaube ich, letztes Mal schon gesagt, wird sofort am Hauptplatz auf die Trafik jüdisches Geschäft geschrieben. Die Menschen werden gedemütigt. Es gibt die Anschlusspogrome auch in Purkersdorf. Also auch in Purkersdorf werden Menschen, die Familie Zuckerkandl, Menschen der Familie Zuckerkandl werden gezwungen, Gehsteig zu waschen in der Prager Gasse. Also alles das geht relativ schnell hier und sofort auch, spätestens nach den Novemberpogromen vom November 38, wird auch in Purkersdorf ein Sammelhaus eingerichtet, also wie im zweiten Bezirk oder im zweiten Bezirk, auf der Wiener Straße 33, ein ehemaliger jüdischer Besitz, der beschlagnahmt war und dort mussten die Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, dann dort, dort wohnen. Und viele von ihnen waren bis 1941 noch in Purkersdorf und seit dem Oktober 1941 sind dann die Transporte Richtung Osten und die Menschen werden ermordet. Es sind ca. 16 Menschen, die aus Purkersdorf deportiert werden. Und dieser Prozess, quasi die Ausgliederung, geht sehr schnell. Und dann etwas, was uns auch nie erzählt wurde, wie lange man dann noch vor Ort ist. Darüber ist nie etwas erzählt worden. Auch Studierende haben sich damit jetzt beschäftigt, immer wieder die gesagt haben, ich möchte eigentlich wissen, was war da dazwischen. Weil ja die Transporte gehen ja erst ab 1939, also ab September, dann los nach dem Krieg gegen Polen, wo das Generalkupfermauer eingeliefert wird und dann später 1941, dem Überfall auf die Sowjetunion, wo dann weiter im Osten auch noch Vernichtungsstätten errichtet werden. Und das ist eine Zeit, so quasi, was war mit denen zwischen 1938 und 1941. Die waren ja drei Jahre noch da. In Wien waren die letzten Transporte 1942 erst. Also Menschen leben hier, die hatten Lockdown, die durften nicht hinausgehen mehr am Abend. Sie mussten Lebensmittelmarken sich organisieren. Eigentlich mussten sie arbeiten gehen, aber durften eigentlich nicht mehr ihre Berufe verloren. Also eine ganz groteske Situation, wo die Menschen versucht haben zu überleben. Und letztendlich war dann am Ende der Tod. Du hast das ja auch schon erwähnt. Du hast ja gesagt, also 16 Personen wurden hier aus Purkersdorf auch deportiert. Da gibt es ja auch einen Gedenkstein am Friedhof oben, wo diese Namen zu lesen sind. Der wurde 2005 errichtet, ein Gedenkstein damals, wo wir die Forschungsdaten hatten vom Dokumentationsarchiv des Widerstandes. Die liegen heute vor, seit damals, ungefähr seit 2002, 2003, wo es eine Namensdatei gibt, das kann jeder online anschauen, wo man Namen eingeben kann, Geburtsort, Wohnorte und dann schauen kann, wie viele Opfer hier verzeichnet sind. Das ist für ganz Österreich, für ganz Europa ist das vorhanden. In Yad Vashem in Israel gibt es eine Datei, wo man alle 6 Millionen suchen kann. Und es gab ja leider in Purkersdorf auch Arbeits- und Zwangslager. Im Zuge der Kriegsentwicklung hat man fast mehr Arbeitskräfte gebraucht und hat dann... Fremdarbeiter hier gehabt und Kriegsgefangene. Es gab ja Fremdarbeiter Ost, hat das geheißen, Fremdarbeiter West. West wurde besser behandelt. Die hat man anders gesehen. Ost war rassistisch. Und unterfuttert von den Nazis. Die sind schlechter gegangen. Und in Purkersdorf gab es auch belgische Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene. In Purkersdorf gab es Zwangsarbeiterlager im Steinbruch, also heute das Theater spielt. Weil da war eine Firma, die ein Zwangsarbeiterlager hatte und am Bahnhof UnterPurkersdorf weiß man heute, waren von der Reichsbahn damals auch Lager von griechischen und ukrainischen und so weiter. Zwangsarbeitern und viele Burkastaffer Firmen, wie zum Beispiel die Firma Ritmüller hat ebenfalls Zwangsarbeiter beschäftigt. Also das System der Sklavenarbeit ist ganz tief in der Bevölkerung gewesen, weil jeder Bauer, jeder Sägewerksbesitzer, jeder Unternehmer konnte beim Arbeitsamt ansuchen um Arbeitskräfte, so wie es ja heute auch ist. Und dann haben die Nazis halt irgendwelche Leute, wo ich sage jetzt einmal eingefangen, salopp, ja, und die verpflichtet hier zu arbeiten. Es war quasi freiwillig. Das heißt, wenn jemand aus der Ukraine hergekommen ist, ist er offiziell freiwillig gewesen, aber man kann sich vorstellen, wie freiwillig das wirklich war. Aber diese Menschen haben dann nach dem Krieg ein doppeltes Problem gehabt, weil wenn sie nach Hause gegangen sind in die Sowjetunion, galten sie als Kollaborateur und wurden verfolgt. Viele von denen landen dann noch im Gulag. Also das war eine ganz schreckliche Zeit. Und in Purkersdorf hat man sich genauso wie in ganz Österreich und in ganz Deutschland bedient an diesem System. Und das ist eigentlich nie erzählt worden, totgeschwiegen worden, Weil das zeigt ja, dass alle Leute mit dem System eigentlich irgendwie in irgendeiner Form verbunden gewesen sind. Jeder Bauernhofer-Zwangsarbeiter gehabt. Einige dann im Nachhinein noch Kriegsgefangene und so haben ja auch im Sägewerk gearbeitet. Genau, da gab es einen belgischen Zwangsarbeiter im Sägewerk Materbauer, früheren Bürgermeister aus den 30er Jahren. Der ist dann da geblieben, das ist der Herr van Muisen. Die Familie ist ja bekannt und er hat die Tochter des Sägewerksbieters Materbauer geheiratet die hatten viele Kinder und die Familie gibt es ja bis heute. Also auch das gibt es. Die Liebe hat dann quasi diese Zwangsarbeit der Situation überbrückt. Also auch das gibt es. Was auch recht interessant ist, was du mir erzählt hast, Purkersdorf war so zum Kriegsende hin ja auch de facto wirklich das Frontgebiet. Ja, Purkersdorf war zwei bis drei Tage ein Teil der Schlacht um Wien. Indem die sowjetische Armee ja nach dem Überschreiten der alten österreichischen Grenze am 29. März bei Kloster Marienberg im mittleren Burgenland quasi ehemals österreichischen Boden betritt, sind die dann vormarschiert und waren dann schon Ende März, Anfang April in der puckeligen Welt. Und die Widerstandsbewegung in Wien schickt er dann, also militärischer Widerstand war das, schickt er dann einen Oberfeldwebel, Käsat, der geheißen, hinaus als Emissär. Und der fährt ins sowjetische Hauptquartier nach Hochvolkersdorf und übergibt dort die Aufmarschpläne der deutschen Truppen. Und da wussten die roten Armeekommandeure, wussten dann, dass die meisten deutschen Einheiten massiert sind im Süden von Wien, so wie in der Neudorf und der Gegend. Und man hat sich entschlossen, Wien auch vom Westen zu umfassen. Also nicht nur vom Süden vorzugehen, sondern auch vom Westen zum Wassen. Und ist dann am 1. April von Baden durch das Helenental nach Hochrotert und ist am 4. April schon in Wolfsgraben. Und in der Nacht vom 5. auf den 6. April sammelt die Rote Armee beim Wiener Waldsee und stößt dann in der Früh so gegen 5, 6 Uhr in der Früh vom Wiener Waldsee nach Purkersdorf vor. Und da gibt es Gefechte, darum gibt es ja auch den Friedhof, den sowjetischen Soldatenfrieden, aber auch in Bresbam ist ja einer. Und die Gefechte hier... Also die sind de facto genau hier auch gefallen. Ja, die sowjetische Armee hat die Leute dort bestattet, wo sie ungefähr gefallen sind. Das ist zusammengesammelt dann. Ja, und die deutschen Truppen ziehen sich nach Wien zurück und sitzen teilweise auf den Hügeln in der Wintergasse. Man sieht heute noch, wenn man will, also wenn man dann aufgeht durch die Schuhgasse hinauf Richtung Schneebergreicher, das früher geheißen, also Purkersdorfer Buchberg, da sieht man heute noch Schützengräben, wenn man genau schaut, jede Menge so Gräben, die keine natürlichen Gräben sind. Und das waren Schanzarbeiten der deutschen Wehrmacht und SS, die sich da zurückgezogen haben und haben dann auf Purkersdorf geschossen, auch von Wien heraus. Und darum hat das Schloss und die Kirche ein Bombentreffer, das am 6. April bekommen. Aber von deutschen Granaten. Und dann marschiert die sowjetische Armee weiter und ist am 7. April schon auf der Linzer Straße in Wien und umfasst auch noch weiter nach Norden, Richtung Klosterneuburg, Wien ankommt vom Norden auch noch. Und es dauert dann bis zum 13. April, dass Wien befreit ist. Aber da ist Purkersdorf wirklich ein Teil der Front. Und das ist das, was eigentlich immer erzählt wird, dass dann die sowjetische Armee halt kommt und da kommt dann der Trost hinterher und dann sind die Vergewaltigungsgeschichten gewesen natürlich. Also das war diese Zeit. Also die Front ist halt nichts Lustiges. Wenn man im Frontbereich als Zivilist ist, ist das meistens weniger lustig. Ja, da hat man sozusagen von beiden Seiten das Problem. Also was da 1945 noch in Purkersdorf passiert ist, ist glaube ich ganz wichtig auch zu erwähnen. Dass es in Purkersdorf Menschen gegeben hat, die so an den Nationalsozialismus geglaubt haben, dass sie nicht weiterleben wollten und auch beschlossen haben, ihre Kinder sollen das nicht tun. Also das, was Göppels mit seiner Familie dann einen Monat später macht, nämlich alle Kinder umbringen und sich selbst, das passiert in Purkersdorf schon am 5. und 6. April. Es gibt ungefähr 30 Selbstmorde und Morde. Also nicht durch die Sowjet, sondern selbst hier. Und man hat ungefähr zehn Kinder umgebracht, selbst umgebracht. Da gibt es ja auch eine Begebenheit, eine Familie, wo die Ärztin selbst ihre Kinder... Ja, sie war Ärztin und er war der evangelische Pfarrer. Und sie bringt ihn um und die Kinder und mit dem Sohn erhängt er. Also da hat es mehrere Kinder und da gab es noch einen älteren Sohn, mit dem hat er sich am Dachboden erhängt. Es gab noch eine zweite Arztfamilie in der Linzer Straße, wo das selber passiert ist. Die haben ihre Kinder umgebracht und sich selbst. Und in Purkersdorf gibt es dann kurze Zeit überhaupt keinen Arzt. Da gibt es auch Todesfälle, weil keine ärztliche Hilfe da ist. Frauen bei der Geburt sterben, mangels ärztlicher Unterstützung. Und erst so mit Ende April gibt es dann Ärzte, die aus dem Sanatorium stammen, weil das Sanatorium war in den Lazaret der deutschen Wehrmacht. Und da gibt es dann zwei Ärzte, den Dr. Finders und den Dr. Gnad, die dann in Purkersdorf ordinieren, gleich ab dem 1. Juni 1945. Interessant ist auch, dass Purkersdorf eben bei Kriegsende ziemlich schnell in eine, oder versucht er ziemlich schnell in eine geordnete Version zurückzukommen. Ja, das ist das eine, dass die Verwaltung hier sofort am 12. April losgeht. Das heißt, da gibt es einen beherzten Mann, den Josef Zurek. Der war zu Hause, der hat einen Urlaubsschein gehabt, der war angeblich im Lazarett im Sanatorium. Und der war zu Hause und hat Russisch gekonnt und seine Donner, die Steffi Schneeweiß auch. Und die haben sich mit den sowjetischen Kommandeuren zusammengesetzt in der Bahnhofstraße am 6. April und haben denen dann gesagt, wie man weiter nach Wien kommt. Eben, das ist jetzt wichtig zu sagen, parallel wird Wien immer noch von der Roten Armee eingekreist und ist noch nicht befreit. Genau, in Purkersdorf agiert man schon und am 12. April treffen sich in Purkersdorf Vertreter der späteren Parteien, die es ja noch nicht gibt, und gründen eine Gemeindevertretung und sagen, der Herr Bürgermeister ist der Herr Zurek. Weil kann man eigentlich sagen, während die deutsche Wehrmacht auf die Rote Armee, also auf das Frontgebiet in Purkersdorf schießt, wird der Herr Zurek schon zum Bürgermeister von Purkersdorf? Ja, mehr oder weniger sich selbst ernannt oder sowjetischen Kommandanten. Aber auf jeden Fall zeitgleich parallel. Genau, und der setzt alle Hebenbewegung, dass man Lebensmittel daherbringt. Das wird in Purkersdorf Brot gebacken, in der Bäckerei Zwickel, in der Herrengasse und das Mehl wird organisiert aus Azenbruck und es gibt selbst gestrickte Lebensmittelkarten und eine Volksküche und man versucht halt über die erste Zeit drüber zu kommen und das ist ja doch April, Mai, also bis es sich ein bisschen einrenkt, ist man wahrscheinlich schon im Herbst dann. Und Purkersdorf hat auch, was auch spannend ist, in dieser Zeit eigene Lebensmittelkarten herausgebracht. Genau, das hat die Gemeinde selbst gemacht für kurze Zeit, weil später gibt es dann Lebensmittelbewirtschaftung. Aber selbst gleich am Anfang, um für die paar Leute, die noch da sind, es waren ungefähr nur mit 300.000 Menschen im Ort 1945, Männer waren fort, Flüchtlinge, viele Nazis sind weg gewesen, Juden wurden vertrieben, ermordet. Und dort hat man versucht, den Menschen zu helfen. Und nach dem Krieg gibt es dann eigentlich eine sehr traurige Restitutionsgeschichte, eine Restitutionsgeschichte des Sanatoriums, dass ja der Femine Zuckerkandl gehört hat und beschlagnahmt wurde und so weiter. Und 1947 versuchen die Überlebenden der Familie, die in Kellern überlebt haben, in Brüssel oder in Alsche überlebt haben, das Sanatorium zurückzubekommen. Und das schleppt sich ewig hin, also über fünf Jahre. und dann kommst du zu einem Vergleich, der eigentlich eher zu Ungunsten der Überlebenden ausgeht. Und die, die das quasi 38, also 39 sich angeeignet haben, steigen eigentlich gar nicht so schlecht aus. Also auch das ist ein Problem, dass nach dem Krieg in ganz Österreich besteht, dass man eigentlich wenig Interesse hat, die jüdischen Überlebenden zu entschädigen. Das ist ein Problem, das ja eigentlich erst endgültig gelöst, Also endgültig kann man nichts lösen, weil man natürlich das Unrecht nicht lösen kann, aber quasi rechtlich hat man versucht, es noch einmal in Ordnung zu bringen unter dem Bundeskanzler Schüssel, wo ja dieser neue Restitution national vor eingerichtet wurde, wo dann alle Menschen noch einmal quasi im Staatsarchiv nachschauen konnten und ihre Ansprüche noch einmal geltend machen konnten, wenn sie in Ordnung gelebt haben. Aber man hat eigentlich in ganz Österreich dieses Thema zugedeckt. Ja, da wollte man nichts wissen. Also nach dem Krieg gab es auch nie einen Rückruf, dass man die Emigranten zurückholt auf die Vertriebenen. Das hat es nie gegeben, das wollte man eigentlich nicht, das wäre ja wirklich blöd gewesen, wenn man seine Wohnung hätte hergeben müssen. Man muss von der Seite sehen, also die Vertreibung 1938 in Wien und 1939 war ja eine große Wohnungsbeschaffungsaktion. Man hat ungefähr in Wien allein im zweiten Bezirk über 80.000 Juden und Hüden gehabt. Und denen hat man Wohnungen, Häuser, Ordinationen alles weggenommen. Teilweise mit Pseudo-Verträgen, die nach dem Krieg anerkannt wurden als rechtlich gültig, auch alles das gibt es. Du hast mir ja auch erzählt, bei Kriegsende gab es ja auch das Problem, es gab einen enorm hohen Anstieg, also auch hier in Burgessdorf, von Geschlechtskrankheiten. Bürgermeister Zurek hat aufgerufen für Untersuchungen. Einerseits waren es die Vergewaltigungssachen, wo es einen Aufruf im Mai 1945 gibt, dass die Mädchen und Frauen, die da Schaden erlitten haben, zur gynäkologischen Untersuchung kommen sollen. Das alles mit Wissen und Genehmigung der sowjetischen Kommandantur. Das heißt, die haben das nicht totgeschrieben, wie das immer so in der Geschichte erzählt wird. Das wurde ernst genommen. Es ist ja auch nicht zehn Jahre lang vergewaltigt worden. Das wird ja auch immer verzerrt, sondern natürlich war eine ganz gransliche Zeit. Die Front kommt drüber, so eine Woche. Eine Woche waren die Frauen freiwillig, das muss man schon so sagen. Und nach einer Woche zieht eine gewisse Ordnung ein. Und die Frau Schneeberg hat immer erzählt, die hat auch beim Kriegsgericht gearbeitet hat, bei den Sowjets, als Dolmetscherin auch. Dass wenn jemand, wenn die sowjetischen Verwaltungen, also die Kommandanten jemanden erwischt haben, der Frauen vergewaltigt hat, dann sind die teilweise zum Tode verurteilt worden. Also es war dann ein ziemlich strenges Regiment, auch innerhalb der Roten Amäe. Aber die erste Woche, die war sicher fürchterlich. Die ersten acht, neun Tage war sicher grauenhaft. Was auch sehr problematisch natürlich war, Aber es gab nach dem Krieg auch mehrere Währungen, die im Umlauf waren. Ja, es gab also ab 1945 offiziell wieder den österreichischen Schilling. Also nachdem die Republik am 27. April quasi mit einer Unabhängungserklärung konstituiert wird. Gibt es wieder den österreichischen Schilling, der eins zu eins von der Reichsmark quasi umgetauscht wird. Es sind aber auch immer noch Reichsmarkmünzen im Umlauf. Und es gab den alliierten Militär Schilling. Das hat die amerikanischen Behörden, die sowjetischen herausgegeben, die auch Zahlungsmittel waren. Und alle diese unterschiedlichen Währungsscheinchen und Münzen waren bis 1947 im Umlauf. Und 1947 gibt es dann eine Währungsreform Ende des Jahres 1947. Aber da gab es ja auch eine Entwertung eigentlich bei dieser Währungsreform. Ja, es war 1945 so, dass nur 150 Reichsmark in 150 Schilling quasi bar umgetauscht werden konnten. Der Rest wurde gesperrt auf Konten. Und im Jahr 1947, kurz vor Weihnachten, hat man 14 Tage lang so einen Umtausch gemacht, 1 zu 3. Das heißt, drei alte Schilling waren ein neuer Schilling. Drei alte Schillinge, aber ein neuer Schilling. Und da sind quasi die Sparguthaben getrittelt worden. 1948 ist dann die sowjetische Kommandantur nach Klosterneuburg gekommen. Und der interessante Punkt ist auch, es gab eine Befragung, Bevölkerung für den Verbleib, dass Purkersdorf bei Wien bleibt. Und eigentlich wäre die Bevölkerung dafür gewesen. Ja, das war Thema ab 1945, weil offiziell ist ja die Eingemeindung von 1938 sofort formal rückgängig gemacht worden. aber nicht umgesetzt worden, weil eben die Alliierten sich nicht einigen konnten, wie dann die Besatzungszonen aufgeteilt werden oder was dann alles passiert. Das Zweite war, dass viele Menschen nicht weg wollten von Wien, weil die Lebensmittelzuteilungen in Wien höher waren als in Österreich. Formal war man aber eigentlich in Niederösterreich, man war auch wahlberechtigt bei der Niederlandtagswahl, nicht in Wien, obwohl man bei Wien gewesen ist. Und es gab einen Ortsvorsteher dann in Purkersdorf, also keinen Bürgermeister ab 1947 bis 1954, den Ortsvorsteher Zurich dann auch. Zwischen gab es ein paar Kalamitäten, wo man Zurich abgesetzt hat, dann kam bei anderen, ein Kommunist, der war dann auch wieder weg, aber wie es jetzt so war in der Nachkriegszeit. Und dann gab es Umfragen unter den Menschen und die wollten so über 70 Prozent bei Wien bleiben. Aber kurz vor der Ausgliederung 1954 gab es in allen den ehemaligen sogenannten Randgemeinden, hat das geheißen, gab es dann Sitzungen von ernannten Volksvertretern der einzelnen Parteien. Und die haben dann zum Beispiel im Purkersdorf für die Ausgliederung gestimmt, obwohl eigentlich die Meinungsumfragen dagegen waren. Man wollte raus. Und es gibt halt andere Orte, wo es nicht war. Harderstorf-Weidling auch blieb bei Wien zum Beispiel. Oder der gesamte 23. Beziehung Leasing ist ja auch 38 eingemeindet worden und blieb auch bei Wien zum Beispiel. Oder Inzersdorf blieb bei Wien. Oder Breitenlee zum Beispiel. Also es gibt ein paar Gegend, die geblieben sind. Vieles ist weggekommen, wie Mödling, Klosterneuburg, Purkersdorf, Schwechat und so weiter. Er wurde ja wieder selbstständig. Aber eigentlich, wenn man das Volk hätte abstimmen lassen, wären wir bei Wien geblieben. Ja, es ist ja auch interessant, dass 1952 hat auch noch die Gemeinde Wien einen Gemeindebau gebaut in Purkersdorf. Ja, das ist ganz spannend. Die Gemeinde Wien hatte das Projekt schon aus den 20er Jahren, Gemeindewohnungen zu bauen. Und in Purkersdorf ist der Bau, Tullnerbrachstraße 81, als Gemeindebau der Gemeinde Wien errichtet worden, als Wohnhaus der Gemeinde Wien. Die Aufschrift war noch lange drauf. Ich weiß nicht, wann sie verschwunden ist, weil in einer Renovierungsaktion sind die Buchstaben verschwunden. In Breitenfurt kann man es noch sehen, wenn man vom Lager Labaspitz abbiegt Richtung Labimwald, ist linkerhand eine Wohnhausanlage, steht heute noch darauf, errichtet von der Gemeinde Wien 1902. Ja, mit 1. September 1954 ist Purkersdorf sozusagen dann in Niederösterreich selbstständig und 1955 gibt es dann Wahlen. Aber eigentlich muss man die Situation ungefähr so beschreiben, man ist zwar selbstständig, hat aber keine Finanzmittel und nur Probleme. Ja, es wurde immer erzählt, dass die Gemeinde Wien ja nichts gemacht hat in Purkersdorf in der Zeit von 1938 bis 1954. Dass alles verkommen ist und vergammelt ist. Also man hat alles auf Wien geschoben. Aber es ist ja heute auch noch so, weil was in Purkersdorf passiert, waren es immer die Wiener. Nie die Ergern, wenn Blumen in den Bach fallen oder sonst was kaputt geht. Also es war Wien vollkommen schuld an dem Desaster. Es ist nichts weitergegangen. Was natürlich stimmt, ist, dass das Vereinswesen zum Erliegen gekommen ist. Vieles wurde ja aufgelöst 1938. Also es musste quasi neu gestartet werden. Und es war Wohnungsnot. Es gab keine Wohnungen. Die Schulen waren zu klein. Es gab keinen Kindergarten noch in der Zeit. Also 54, 55, kein Wasserleiter und keinen Kanal, gar nichts. Es war eigentlich ein Ort, der steckend geblieben ist, so quasi in den frühen 20er Jahren. Beziehungsweise die noblen Villenbewohner der Kaiserzeit gab es eigentlich auch nicht mehr. Man hat damals natürlich auch schon politische Rivalitäten mitbekommen. In Purkersdorf zu dieser Zeit, in dieser Nachkriegszeit, waren auch sozialdemokratische Bürgermeister. Und das Land hat die nicht unbedingt unterstützt. Ja, das Land, das Unid-Australia ist ja immer sehr ÖVP-dominiert gewesen, seit 1945 durchgehend. Es gab ja, Einen einzigen sozialdemokratischen Landeshauptmann 1919. Aber 1945 bis heute ist er sehr, sehr stark ÖVP-dominiert. Und Purkersdorf wurde 1955 bei den Wahlen wieder mit absoluter Mehrheit sozialdemokratisch, so wie in den 20er Jahren. Der Bürgermeister war Gustav Hain. Josef Zurek, der noch Bürgermeister von 1954 bis 1955 war, ist dann Geschäftsführer und Gemeinderat, aber man zerstreitet sich dann und gründet 1960 eine eigene Liste. Kostet der ISP, glaube ich, drei Mandate. Er stirbt dann 1964, der Zürig, der Josef Zürig. Also da zersplittert sich die ISP auch noch. Tagsrivalitäten intern. Was in Purkersdorf auch war, ab 1954 gab es den Alfred Tschernoch als kommunistischen Gemeinderat, der eigentlich bis in die 80er Jahre im Gemeinderat war, dann verstorben. Und sein Nachfolger war Josef Baum, der immer noch im Gemeinderat sitzt. Also eigentlich, als ich liest, die Baum hat ja sehr stark hier ihre Geschichte. Also seit damals, als Czernach war immer als Ein-Mann-Partei und die ÖVP war in der Minderheit bis 1970. Und das, was du angesprochen hast, ist das Problem, dass man das Wohnungsproblem schwer lösen konnte, weil die SPÖ wollte immer Gemeindewohnungen bauen. Das hat sie auch getan. Es ist ja die Winterkasse 8 noch gebaut worden Mitte der 60er Jahre und die jüngeren Wohngebäude auf der Dullnabar Straße 81, sich hinter dem Bauhaus von der Gemeinde Wien und hat aber das Geld natürlich nicht gehabt, als wie verrückt Wohnungen zu bauen. Und wenn jetzt Genossenschaften Baugrundstücke gekauft haben, die auch Wohnbauförderung wollten oder die Gemeinde, dann hat die rote Gemeinde im Schwart Niederösterreich ihre Schwierigkeiten gehabt. Also die Wohnbauförderung ist nicht wirklich geflossen. Und Burkastorf war auch eine Abwanderungsgemeinde. Die Leute sind weggezogen von hier. Es gab auch eine negative Geburtenbilanz in der Zeit. Das heißt, es sind mehr gestorben als geboren wurden. Das ist heute wieder so. Und gleichzeitig die Abwanderung und die Bevölkerung schrumpft zwischen 51 und 71. Das heißt, es wohnen in Purkersdorf 1971 nicht ganz 5000 Leute. 1951, 5200, sowas. Also ich habe das ausgerechnet, wenn man das extrapoliert, also ohne dem, was wir heute kennen, Zuwanderung und Wohnbau, wenn wir das von 1971 extrapolieren würden bis heute, dann nicht einmal mehr 4.000 Einwohner. Wahnsinn. Also ohne diese Dinge, die dann passiert sind nach 1970, wäre hier nichts mehr. Weil wenn keine Einwohner, gibt es kein Schwingbord, gibt es keine Schule, gibt es kein Geschäft, gibt es keine Musikschule, gar nichts. Es gibt ja so Beispiele in Österreich wie Orte, die schrumpfen aufgrund bestimmter Entwicklungen. Eisenherz hat einmal 15.000 Einwohner gehabt, ich glaube jetzt nicht einmal 7.000. Und das merkt man dort auch. Ich glaube, da wurden auch schon Hallenbäder geschlossen und solche Sachen. Und das muss man immer dazu sagen, also wenn es keine Zuwanderung gibt und keinen Zuzug oder keine Kinder, dann ist es aus. Und das kann man bei Wien ausrechnen. Wien hatte 1961 nur mal 1,5 Millionen Einwohner drinnen. 1910 waren es zwei Millionen. Und wenn man auch das weiterrechnet, hätte Wien halt eine Million Einwohner drinnen. Jetzt sind aber fast zwei Millionen wieder. Also auch da gibt es keine Stadthalle mehr und keine Eis auf dem Platz und nichts, kann es zusperren. Wien wäre wahrscheinlich nicht diese Metropole, die sie heute. Ohne Menschen, die Zuwanderer immer sagen, auch wenn nicht mehr geschimpft wird über Zuwanderer, aber ohne Migration ist da gar nichts mehr. Trotzdem in dieser wirklich schwierigen wirtschaftlichen Zeit hat Purkersdorf trotzdem eine Schule gebaut und so. Ja, das Interessante ist, in der schwierigen Zeit wurde die Volksschule ja gebaut, 1965, 66. Also die Volksschule, die ist ja dann umgebaut und aufgestockt worden, aber die Volksschule, die neue, wurde gebaut, war alles zu klein. Einmal wurde ein Kindergarten gebaut mit Spatenstech schon 1958. Das war der Kindergarten I, wo heute das Bildungszentrum ist. Der ist ja dann verlegt worden in die Wintergasse. Also auch das ist gemacht worden. Es ist schon was passiert. Man hat dann 1964 das Bad wieder gekauft. Das war ja privatisiert, also 1936. Und hat das Bad dann errichtet für 1967 eröffnet. Mit Namen der Stadterhebung. Das heißt, es ist sehr wohl was passiert. Ein wichtiger Punkt in Purkersdorf war ja auch 1959, 1960 herum der Bau der Bundesstraße B44. Das ist so richtig so, wie eigentlich 1860 war die Schneise, die Westbahn hat da eine Schneise durchgezogen, hat eigentlich nachher zu dieser Zeit so ein bisschen die Bundesstraße eine Schneise durch die Orte gezogen, oder? Naja, die Westautobahn ist damals bis Bresbarn fertig gewesen, 1961. Ich habe 61. Und um zur Autobahn nach Bresbam zu kommen, hat man eine leistungsfähige Straße gebaut. Das führt zum Ausbau der Windhallstraße teilweise schon. Und führt dann zum Ausbau der Wiener Straße, diese vierspurige Rennbahn, die man dann später kennt, die entsteht in der Zeit, wo Bäume gefällt werden und die Straße verbreitet werden. Und eben die Bundesstraße 44 als Umfahrungsstraße über die Kellerwiese, wo man das ganze Kellerwiese teilweise verwendet hat, wo früher der Tennisplatz waren, solche Dinge. Und dann wurde weggerissen die Pragermühle, also quasi der Burghaus auf dem Mahlerwinkel hat das geheißen, die Mühle. dann die Bestseule und auch die Deutschwaldkapelle, die unterhalb von Bad stand, die Marienkapelle. Alles das ist der Spitzhacke gewichen und ist an diese Schneise durchgeschlagen worden. Wobei es gab auch eine andere Planung. Es gab die Planung, dass die Straße auf der rechten Windflussseite zuerst gebaut wird und die heutige Fürstenberggasse mit benutzt. Und da wäre quasi die Straße geplant geworden, also durch die heutige Bühne. Und durch die Fahrschule, die Fürstenberggasse. Das konnte damals durch Widerstand von Anrainern verändert werden. Es ist gelungen, dass die Straße auf die andere Flussseite gelegt wird. Und quasi die Kellerwiese daran glauben musste. Aber das war relativ schwierig. Man sieht, Georgienberg ist ja so steil. Da wurde die Straße mit Stützmauern hineingebaut, bei der Feuerwehr da hinüber. Und dann ist eben diese Straße fertig und benutzt ja teilweise die alte Deutschwaldstraße. Das ist, was heute Fürstenbergkasse die Verlängerung ist. Und führt dann dazu, dass entlang der Straße lauter Tankstellen gebaut werden, weil die Autos haben ja 25 Liter Sprit, aber es gab ja auch ein Käfer 15 Liter, wenn die das 25 Liter braucht. Da waren überall Tankstellen da, die ganze Straße entlang. Weil wir zuerst auch gesprochen haben vom Bau der Volksschule. Ich finde auch sehr interessant, das heutige Rathaus war ja die erste Volksschule, war das erste Volksschulegebäude. Also es war das erste selbstständige Volksschulgebäude, das nach dem Rechtsvolkgeschäft von 1869 gebaut wurde. Es gab vorher andere Schulgebäude, wo heute der Libro ist, da war vorher die Schule und dann war die Schule in der Linzer Straße vorher das älteste Gebäude. Aber das Rathaus ist quasi damals vollkommen funkeln, 1875 als Schule gebaut worden und dann wird die Hauptschule fertig, quasi so übersiedelt. Und in den 60er- und frühen 60er-Jahren gab es relativ viele Kinder aufgrund des Babybums, aber es zu wenig waren, um die Sterblichkeit zu egalisieren, hat man dann wieder Klassen ins Rathaus übersiedelt. Und da gibt es eine lustige Geschichte dazu, die du mir erzählt hast. Karl Schlögl hat als Schüler im Rathaus die Volksschule besucht, nämlich genau in dem Raum, wo dann später sein Bürgermeisterzimmer war. Ob er das schon gewusst hat als Kind, weiß ich nicht. Das müsste man ihn selber fragen. Ja, aber es ist eine nette Anekdote. Aber es ist nicht erfunden, man kann ihn fragen, ich würde das bestätigen. Ja, du hast richtig begonnen, dass die Stadt zu leben beginnt und prosperierender wird, war natürlich ein ganz, ganz großer Einstieg oder Startpunkt nach der Stadtherhebung 1967. Ja, im Nachhinein empfindet man das so. Ich war damals als Kind dabei, wir sind als Volksschüler beim Umzug mitmarschiert. Als ABC-Schützen haben wir uns bedankt bei der Gemeinde, bei der Neue Schule. Es war ein riesiges Theater, ein einwöchiges Fest. Ununterbrochen Konzerte bis zum Motocross-Rennen auf der Hochrahmung von Purkersdorfer Motorsport, ich glaube doch, der hat sich da beteiligt. Und Wurschtelbrater, also so Volksfest-ähnliche Dinge hat es gegeben. Und Konzerte und Theatererführungen von der Schule im Schlosshof hier. Also ein riesiges Dam-Dam, was Purkersdorf zur Stadt wird. Und die Bundespräsidentin Franz Jonas war extra da, um dem damaligen Bürgermeister Gustav Hein die Stadterhebungsurkunde zu überreichen. Es hat stattgefunden in der heutigen Bühne im damaligen Kinosaal. Es war der größte Saal im Purkersdorf, es gab ja sonst nur die Gasthassäle. Und dort hat er die Urkunde überreicht. Da hat die Ehrenkompanie des Bundesheers Aufstellung genommen bei der Bühne. Ich kann mich nur genau erinnern, also die Gebäude waren ja nicht so saniert wie heute. Er hat auf einen Fensterflügel runtergeflogen, auf einen Soldaten, auf seinen Stall. das kann ich mir als Kinderin, ich bin ja nämlich gestanden, als Volksschüler hat das genau miterlebt. Also das war ein riesiges Theater und das haben wir gezelebriert und das ist auch so erzählt worden, trotz des Tanks sind wir in der Stadt, dann werden wir nie wieder eingemeindet. Das war so diese Angst, also wieder Wien kommt wieder daher. Also das war wieder Grund dafür? Ist so erzählt worden, weil ja Purkersdorf war ja Teil des Bezirks Wien-Umgebung bis 2017 und das waren ja diese ehemaligen Randgemeinden, weil sie übergeblieben sind, das war ja Gerostorf, Schwächert, Klosterneuburg und Wirda, der Gerichtsbezirk Burckersdorf. Und die Angst war immer, dass dieser Bezirk zerschlagen wird, was ja heute passiert ist auch schon. Aber nicht in die so wie es jetzt passiert ist, sondern die Angst war, dass die alle wieder zu Wien müssen. Und wenn man quasi Stadt ist, weil Klosterneuburg ist Stadt und Schwächert ist Stadt, also muss Burckersdorf auch Stadt werden. Und hat man gemeint, dann hat man einen besseren Stand in irgendwelchen allfälligen Verhandlungen. Ja. So hat man es uns damals erzählt. Weil diese Angst war immer, da kommen die Wiener. Den von dir angesprochenen kleinen Film über die Stadterhebung, der ist natürlich toll. Und den kann man natürlich dann auf der Blogseite hallo-Purkersdorf.blog nachschauen, sich ansehen. Genauso wie natürlich alle Infos zum heutigen Gespräch. Ja Christian, wir sind ja mittlerweile schon in eine Zeit gelangt, wo ich dich jetzt als Zeitzeugen begrüßen darf. Genau, so schnell wird man das. Genau. Und ich würde auch gerne sozusagen bei diesem Punkt, jetzt bei 1967, Purkersdorf, wird statt, den dritten Teil beenden. Um unseren letzten Teil, Nummer 4, dann so zu gestalten, dass wir sagen, von 1967, Purkersdorf, Stadt, wie hat sich Purkersdorf entwickelt, bis zum heutigen Punkt zu gestalten. Genau, 1970 sind dann Wahlen und dann ändert es sich auch politisch. Und dann kann man also das, was immer gesagt wurde, das kann ich vorweg gleich sagen für das Intro, für das Nächste, dass wir alle gejammert haben, dass Purkersdorf nicht einmal einen Fußballklub hat. Und das ändert sich dann nach 1917. Wunderbar. Positive Aussichten. Ja, mit den Aussichten für den Fußballklub und mit den Aussichten, wie sich Purkersdorf Gott sei Dank dann sehr positiv entwickelt hat, beenden wir diesen dritten Teil. Christian, ich sage ganz herzlichen Dank und euch, liebe Hörerinnen und Hörer von Hallo Purkersdorf, sage ich wie immer, danke fürs Zuhören und ciao, bis zur nächsten Episode.

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